HeidelbergCement – Kurzinterview

Alles aus einer Hand, vom First-Level- bis zum Third-Level-Support

tunnel: Was genau ist die Aufgabe der Abteilung
„Engineering & Innovation“ bei HeidelbergCement?

Dr. Jennifer Scheydt: Eine wesentliche Aufgabe liegt in der Produktentwicklung, die sich sehr stark am deutschen Markt orientiert. Wir bieten Lösungen für die konkreten praktischen Anforderungen aus dem Markt. Im Fokus unserer strategischen Entwicklungsarbeit stehen die Bereiche Zement und Beton – und zwar für den gesamten deutschen Markt, aufgeteilt in Marktsegmente. Für den Bereich Beton sind das zum Beispiel Ingenieurbau oder landwirtschaftliches Bauen. Im Bereich Zement arbeiten wir zum Beispiel in den Marktsegmenten Verkehrswegebau, Betonwaren, Fertigteile oder Spezialtiefbau. Jedes Segment wird jeweils von einem Produktmanager betreut, der dafür verantwortlich ist, die Anforderungen und Ideen aus seinem Segment aufzugreifen und zusammen mit E&I in Entwicklungsaufträge zu übersetzen. Wir wollen mit dem Kunden für den Kunden arbeiten. Dieser Anspruch steht immer im Mittelpunkt unserer Arbeit.

tunnel: Wie findet man – zum Beispiel für reaktiven
Spritzbetonzement – Innovationspotenzial im Markt?

Dr. Jennifer Scheydt:  Es gibt drei wesentliche Aspekte, die bei der Entwicklung neuer Produkte eine große Rolle spielen: Zuerst einmal muss seitens des Kunden ein Bedarf bestehen. Zweitens spielt die technologische Umsetzbarkeit eine Rolle, genauso wie – als dritter und letzter Aspekt – die Wirtschaftlichkeit. Als Schnittmenge daraus ergibt sich die Innovation.

Das vermarktungsfähige Produkt alleine ist dabei aber nicht unser übergeordnetes Ziel: Der Königsweg ist es, über das Produkt zum System-, oder noch besser, zum Lösungsanbieter zu werden. Dazu müssen wir den Kunden neben einem leistungsfähigen Produkt auch die technischen Kompetenzen und das anwendungstechnische Know-how aus unserem Unternehmen als Mehrwert anbieten – gegebenenfalls auch in Kooperation mit weiteren Partnern.

tunnel: Wie wird die optimale Qualität eines Spritzbetons erzielt?

Dr. Klaus Felsch: Zur Sicherung von bergmännisch aufgefahrenen Tunneln wird Spritzbeton schon recht lange eingesetzt. Gemäß Neuer Österreichischer Tunnelbauweise verzichtet das heutige Nassspritzverfahren auf den Einsatz alkalihaltiger Beschleuniger, da diese aggressiv und gesundheitsgefährdend sind. Die neuen alkalifreien Beschleunigertypen sind im Vergleich allerdings weniger effektiv. Dementsprechend steigen die Anforderungen an den Zement: Er muss besonders reaktiv sein.

Beim Einsatz sehr guter Spritzbetonzemente lassen sich dann die Zugabemengen der Beschleuniger an der Spritzbetondüse deutlich reduzieren, sodass der Spritzbeton insgesamt wirtschaftlicher wird. Eine gute Kombination aus reaktivem Spritzzement und geeignetem Beschleuniger erhöht ferner die Vortriebsgeschwindigkeit. Es lassen sich größere Spritzbetonmengen in kürzerer Zeit verarbeiten. Beim Schelklinger Spritzbetonzement haben die Experten unserer Abteilung mit dem Werkslabor und den Bauberatern lange getüftelt und getestet. Entwickelt wurde ein sehr reaktiver Zement, der nun in verschiedenen Tunnelprojekten eingesetzt wird, unter anderem aktuell im Herrschaftsbucktunnel in Rheinfelden.

tunnel: Welche Leistung bietet Ihr Unternehmen
den Kunden vor Ort

Werner Beer: Das Produktprogramm von HeidelbergCement und seinen Sparten ist sehr vielseitig. Daher werden unsere
Mitarbeiter bei der Beratung und im Vertrieb vor Ort auch jeden Tag mit den unterschiedlichsten Fragen und Anforderungen konfrontiert. Wir sind bei Bauunternehmen genauso gefragt wie in Ingenieur- oder Architekturbüros, an kommunalen Schreibtischen, auf betontechnologisch komplexen Baustellen oder in technisch anspruchsvollen Betonwerken – zum Beispiel, wenn es um besondere Betonrezepturen oder spezielle Einbauweisen geht. Wir sind „Kümmerer“; wir haben immer unsere Kunden im Blick, um gemeinsam die jeweils optimalen Lösungen für ihre Anforderungen zu finden. Dabei werden wir von unseren Anwendungstechnikern unterstützt, die für uns vor Ort und im Labor Betonversuche durchführen.

Beratung und Vertrieb bilden eine wichtige Schnittstelle zwischen unseren Kunden und unserem Unternehmen: Durch die Nähe zum Markt wird ins Unternehmen kommuniziert, was auf den Baustellen gebraucht wird und was die Planer wünschen; gleichzeitig werden unseren Kunden technische Innovationen und neue Standards vermittelt.

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