Schweiz – Gotthard-Basistunnel: Durchschlag der Oströhre
Am 16. Juni 2009 mittags durchbrach die Tunnelbohrmaschine Gabi 1 in der Oströhre des Gotthard-Basistunnels die letzten Meter Fels von Erstfeld nach Amsteg. Sie legte in nur 18 Monaten eine Strecke von 7,2 km zurück und ist damit ein halbes Jahr früher als geplant in Amsteg angekommen. Aus diesem Anlass gratulierte Bundesrat Moritz Leuenberger den Tunnelbauern vor Ort zu der hervorragenden Leistung.
Wegen Einsprüchen bei der Auftragsvergabe an die Arbeitsgemeinschaft Gotthard-Basis-tunnel Nord (AGN; Strabag AG Tunnelbau) begann man am 4. Dezember 2007 anderthalb Jahre später am Nordportal des Gotthard-Basistunnels in Erstfeld mit dem Andrehen der Hartgesteins-Tunnelbohrmaschine (Gripper-TBM) Gabi 1 (S-229, Herrenknecht AG; 9,58 m Durchmesser) und dem Vortrieb in der Oströhre in Richtung Süden. 18 Monate später und ein halbes Jahr früher als geplant erreichte sie nach 7,2 km die Losgrenze in Amsteg. Der Durchschlag der Tunnelröhre am 16. Juni 2009 geschah mit sehr hoher Genauigkeit: Die Abweichung zur Sollachse im Ziel lag bei horizontal 4 mm und vertikal 8 mm. Die durchschnittliche Tagesleistung im Vortrieb durch härtestes Gebirge und Gebirgsüberdeckung von bis zu 1000 m betrug rd. 14 m; die beste Tagesleistung erreichte knapp 40 m gefräste und gesicherte Tunnelröhre.
Die TBM Gabi 1 wurde zuvor schon im Tunnelabschnitt zwischen Amsteg und Sedrun in der Oströhre als TBM S-421 eingesetzt, wo sie von Oktober 2003 bis Juni 2006 11,3 km Tunnel (max. 35 m/AT) mit einem neunmonatigen Vorsprung gegenüber dem Bauprogramm auffuhr. Danach wurde sie unter Tage demontiert, mit der Stollenbahn aus dem Tunnel gebracht und nach umfassender Überprüfung vor dem Nordportal in Erstfeld wieder zusammengebaut. Von dort startete sie bekanntlich am 4. Dezember 2007 erneut, und zwar in der Oströhre in Richtung Amsteg.
In der Weströhre hat die TBM Gabi 2 (S-230, Herrenknecht AG) bis Mitte Juni 2009 5908 m oder 83 % aufgefahren; bis zur Losgrenze Amsteg fehlen noch rd. 1240 m und der Durchschlag wird im Herbst 2009 stattfinden. Die beiden TBM, Gabi 1 und Gabi 2, sind baugleich; Einzelheiten über diese TBM enthält die Tabelle.
Die Bauarbeiten auf der Gotthard-Achse befinden sich nach Angaben der AlpTransit Gotthard AG auf gutem Kurs. Zwischen Erstfeld und Amsteg konnte Mitte Juni 2009 der zweitletzte von insgesamt 4 Durchschlägen gefeiert werden. Von den Tunnelröhren, Schächten und Stollen des Gotthard-Basistunnels mit einer Gesamtlänge von 153,5 km sind 133,9 km oder 87 % ausgebrochen. Nach Überwindung der Pioramulde im Oktober 2008 und Februar 2009 kommen die beiden TBM im südlichen Tunnelabschnitt zwischen Faido und Sedrun gut voran, denn in der Oströhre sind 6644 m oder 61 % ausgebrochen und in der Oströhre 6048 m oder 53 % beim Einsatz von 2 baugleichen TBM (S-210 und S-211; Herren-knecht AG; 9,43 m Durchmesser). Der Hauptdurchschlag zwischen Sedrun und Faido soll nach dem Bauprogramm Anfang 2011 stattfinden und die Inbetriebnahme des 57 km langen Gotthard-Basistunnels 2017; dann wird durch den Gotthard der längste Eisenbahntunnel der Welt führen.
G. B.
Literatur
[1] TBM-Einsatz am Gotthard-Basis-tunnel. tunnel 4/2003, S. 2–5; 6/2004, S. 2–6, und 7/2007, S. 20.
[2] 3. Vergabeentscheid für Los Erst-feld am GBT. tunnel 7/2007, S. 15–16, und 7/2007, S. 21.
[3] TBM-Einsatz im Gotthard-Basis-tunnel. Tiefbau 12/2007, S. 752–755.
[4] Gotthard-Basistunnel: Piora-Mulde erstmals durchörtert. tunnel 8/2008, S. 2–4.
[5] Gotthard-Basistunnel: Piora-Mulde erfolgreich bewältigt. tunnel 2/2009, S. 13.
[6] Simoni, R.: Gotthard-Achse im Fokus. tunnel 4/2009, S. 12–19 sowie S. 20–42.


