11. Felsmechanik- und Tunnelbautag
Mit rund 320 Gästen war der Felsmechanik- und Tunnelbautag im WBI-Center wieder sehr gut besucht
Credit/Quelle: WBI/Fotostudio Fischer
Am 11. Juni 2026 fand der 11. Felsmechanik- und Tunnelbautag im WBI-Center in Weinheim, Deutschland, statt. Die hervorragend besuchte Fachveranstaltung befasste sich in diesem Jahr mit den Fokusthemen „Innovationen im Tunnelbau“, „Aktuelle und zukünftige Projekte der Deutschen Bahn“ sowie Zukünftige Wasserbauprojekte und Energiewende“. Die Konferenz wird jährlich veranstaltet von der WBI GmbH mit Unterstützung und Sponsoring der DB InfraGO sowie Unterstützung des Arbeitskreises Bautechnik des Württembergischen Ingenieurvereins.
Eröffnungsvortrag
Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Strategie und mittelfristiges Zielkonzept der DB InfraGO AG“ hielt Dipl.-Kfm. Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und-projekte, DB InfraGO AG. Er beschrieb die Vorteile des Konzepts der Korridorsanierung anstelle von konventionellen Sanierungen. Statt ständigen Kurzzeitsperren, die grundsätzlich auch Engpässe im laufenden Bahnverkehr mit sich bringen, sollen ab 2027 umfassende Korridorsanierungen umgesetzt werden, die die Sperrzeiten um den Faktor 7 verringern sollen und lange sanierungsfreie Intervalle ermöglichen: „fünf bis acht Jahre mit kleinen Instandhaltungsmaßnahmen“. Bis 2028 sind zwei Korridorsanierungen pro Halbjahr vorgesehen, mit frühzeitig festgelegten Bauphasen, gefolgt von komplett baufreien Zeiträumen für mehr Planbarkeit.
Zudem soll in Kürze mit der Digitalisierung der Stellwerkstechnik „ein echter Technologiesprung“ gemacht werden. Digitale Steuerzentralen lösen die Altstellwerke ab und Deutschlandweit werden für die digitale Steuerung mehr als 50 Rechenzentren auf Deutschland verteilt gebaut. Der Aus- und Neubau von Bahninfrastruktur bis 2035 wurde ebenfalls thematisiert. Darin enthalten: „ganz viele Tunnel“. Denn, so Bolte „wenn Sie nur in den Bestand investieren, haben sie zwar eine gute aber keine zukunftsweisende Infrastruktur.“
Innovationen im Tunnelbau
Der Felsmechanik- und Tunnelbautag wird veranstaltet von der WBI GmbH mit Unterstützung der DB InfraGO sowie des Arbeitskreises Bautechnik des Württembergischen Ingenieurvereins
Credit/Quelle: WBI/Fotostudio Fischer
Den ersten Vortragsblock eröffnete Dipl.-Ing. Ulrich Bergerhausen von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen. Er beschrieb aktuelle Entwicklungen zum konstruktiven Brandschutz von Straßentunneln – eine bauliche Sicherungsmaßnahmen die von höchster Bedeutung ist, Tunnelbrände zu außergewöhnlichen Belastungssituationen zählen, bei denen Maximaltemperaturen von bis zu 1200 °C entstehen können.
Auf Basis von Brandprüfungen wurden zwei neue ZTV-ING-konforme Betonrezepturen entwickelt, die eine geringe Abplatzneigung im Brandfall und gute Dauerhaftigkeitseigenschaften aufweisen. Zusätzlich wurde erstmals nachgewiesen, dass aufhellen Beschichtungssysteme das Brandverhalten von Tunnelinnenschalen nicht negativ beeinflussen
Dipl.-Ing Sandra Katz und Dipl.-Ing. Uwe Kneißl von der DB InfraGO AG referierten über das Thema Neubau versus Bestandserhalt bei den Eisenbahntunneln der DB. Mittelfristig werde die Herausforderung des Bestandserhaltes immer größer, so die Referenten. Derzeit würden 80 Prozent der Bahntunnel den beiden besten Zustandsklassen 1 und 2 zugeordnet, nur ein Prozent der schlechtesten Zustandsklasse 4. Die Prognose für 2042 lautet hingegen, dass dann 18 Prozent der Tunnel „viertklassig“ bewertet werden. Damit befänden sich 130 von den insgesamt 760 Bestandstunneln der DB in einem kritischen Zustand. Um dem zu begegnen, erfordert der nachhaltige Erhalt der Tunnelinfrastruktur eine ausgewogene Kombination aus Instandsetzung, Teilerneuerung und Vollerneuerung „Wir wollen, dass diese Prognose nicht eintritt“, so Sandra Katz. Insbesondere mit Blick auf die knappen zu Verfügung stehenden Geldmittel eine frühzeitige Instandhaltung geboten, da diese eine wirtschaftlichere Lebensverlängerung der Tunnelbauwerke darstelle.
Drei weitere Vorträge im ersten Block widmeten sich dem Thema Stahlfaserbeton – ein Baustoff der seinen Beitrag zur CO2-Reduktion bei Tunnelprojekten beitragen kann. Diese Vorträge, so Sitzungsleiter MR Prof. Dr.-Ing Gero Marzahn, gäben „Impulse für die Umsetzung dieser Methode auch in Deutschland“.
Dr.-Ing. Martin Wittke von den grundsätzlich positiven Erfahrungen, 20 Jahre nachdem der Carmel Tunnel in Haifa, Israel, mit der einschaligen Bauweise in Stahlfaserspritzbeton geplant und errichtet wurde. Weitere Vorträge befassten sich mit dem Einsatz stahlfaserbewehrter Tübbing bei Tunnelvortrieben in London und dem Stand der Forschung und Anwendung in Deutschland bezüglich des Einsatzes von Stahlfaserbeton im maschinellen Tunnelbau.
Aktuelle und zukünftige Projekte der Deutschen Bahn
Vier Vorträge befassten sich mit den aktuellen und zukünftigen Projekten der Deutschen Bahn. Dipl.-Ing Jörg Ritzert von der DB InfraGO AG erläuterte zuerst anschaulich die Festlegung der Vortriebsarten für den Bau von drei Tunnelabschnitten in offener sowie bergmännischer Bauweise mit TVM auf der Neubaustrecke Frankfurt –Mannheim. Das Projekt befindet sich in der Genehmigungsplanung.
Im Anschluss referierte Ritzert gemeinsam mit Dr.-Ing. Bettina Wittke-Schmitt über den Einfluss der Baugrundverhältnisse bei der Trassenwahl für die Tunnel den Neu- und Ausbaustrecke Fulda–Gerstungen. Herausforderungen beim Tunnelbau im innerstädtischen Bereich wurden am Beispiel des Tunnel Wartberg (Teil der P-Option in Stuttgart) beschrieben – inklusive Unterfahrung von Gründungspfählen des denkmalgestützten Brünner Stegs und von in Betrieb befindlichen Gleisen.
Dipl.-Geol. Albert Wimmer und Dr.-Ing. Patricia Wittke-Gattermann richteten ihren Fokus auf das Großprojekt 2. S-Bahn-Stammstrecke München und berichteten über die Erfahrungen beim Druckluftvortrieb für den Rettungsschacht 3 – dies besonders im Hinblick auf zukünftige Planungen und Ausführungen mit ähnlichen Bedingungen und Vortriebsmethoden (Druckluftvortrieb mit Grundwasserentspannung im Lockergestein).
Zukünftige Wasserbauprojekte und Energiewende
Der erste Vortrag in der abschließenden Session behandelte die Ertüchtigung bestehender Anlagen sowie Neubauvorhaben der Schluchseewerk AG. Für einen ergänzenden Triebwasserweg im Hartgestein wurde eine optimierte Baugrunduntersuchung mit integrierter Analyse von Bestandsdaten durchgeführt, was den Erkundungsaufwand senkt und gleichzeitig die Prognosequalität steigert. Im Anschluss wurde von der Planung eine 5 km langen Stollens zur Wehebachtalsperre in der Eifel berichtet, der Rohwasser aus einem benachbarten Einzugsgebiet für die die Trinkwasserproduktion bereitstellen soll. Das Planfeststellungsverfahren hat Anfang 2026 begonnen; der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen.
Save the Date
Der Termin für den 12. Felsmechanik- und Tunnelbautag steht bereits fest: Er wird am 24. Juni 2027 im WBI-Center in Weinheim stattfinden.
Marvin Klostermeier
