Neue Entwicklungen

4. BASF TBM Konferenz 2010 in London

Die 4. von MEYCO Global Underground Construction ausgerichtete und speziell auf die Belange der Tunnelvortriebsmaschinen zugeschnittene TBM Konferenz kehrte nach der sehr erfolgreichen Veranstaltung in Singapur 2009 wieder nach Europa zurück zu den Wurzeln des Tunnelbaus in London. Gleichzeitig ist London zukunftsweisend für das Crossrail-Projekt.

Am 28. Oktober 2010 fanden sich über 130 internationale Spezialisten des Tunnelbaus in den historischen Gebäuden der One Great George Street im Herzen Londons ein, um sich über die neueste Entwicklungen des maschinellen Tunnelbaus zu informieren.

Nach einer Einführung von Chris Fletcher, dem Leiter der BASF Admixture Systems Nord und Bob Ibell, Chairman der British Tunneling Society, startete die Konferenz mit dem ersten Schwerpunkt „London: Historie – Geologie und Erfahrungen aus den bisherigen Vortrieben“. Weitere Themenschwerpunkte bildeten die Vorstellungen interessanter internationaler Projekte, Informationen rund um das Thema Abrasion sowie Neuigkeiten aus Forschung und Industrie.

Robert Hulse, Leiter des Brunel Museums in London, stellte den ältesten Tunnel und seine Geschichte vor. Er gab einmalige Einblicke in die Weitsicht und Risikobereitschaft der damaligen Ingenieure sowie ihre Lösungsmethoden – die zum Teil noch immer Verwendung finden.

Bob Allen von den London Bridge Associates Ltd. erläuterte überaus detailliert die Gegebenheiten und Eigenarten der Londoner Geologie. Anschauliche Beispiele aus früheren Projekten rundeten den Vortrag zu einer einzigartigen Lehrstunde ab.

Ulrich Rehm von der Tunnelling Consultant GmbH befasste sich eingehend mit der Komplexität von maschinellen Tunnelvortrieben, deren Effizienz entscheidend von der TBM an sich, der Geologie und der Vortriebsmannschaft abhängt. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Änderung der Konsistenz und des Verhaltens des Abraumes durch die unterschiedlichen Konditionierungsmittel und durch Wasser.

Jesse Heinemann von Robbins befasste sich eingehend mit dem Projekt Mexico City, Metro Linie 12. Er gab einen umfassenden Überblick über die Geologie und die Anpassungen der EPB-Maschine bezüglich Schneidrad, Extraktionsschnecke und das Hinterfüll- und Bodenkonditionierungssystem. Abgerundet wurde der Vortrag durch die Vorstellung der aktuellen Vortriebssituation.

Richard Foord von BASF befasste sich mit den TBM-Vortrieben in Großbritannien, die vorwiegend in tonigem Untergrund erfolgten und erfolgen. Nach einer theoretischen Einführung in die Welt der Anti-Ton-Additive wurde deren Effizienz anhand von verschiedenen Vortrieben mit unterschiedlichen Anforderungen dargestellt.

Karin Bäppler, Herrenknecht AG, gab einen Überblick über die Innovationen im Bereich des maschinellen Tunnelbaus und zeichnete über komplexe Geologien und immer größer werdende Maschinendurchmesser einen Weg in die Zukunft.

Craig Bournes von Lovat Caterpillar beschäftigte sich im Wesentlichen mit der Geologie glazialer Sedimente und deren Auswirkungen auf das Design der Vortriebsmaschinen, im Speziellen auf das Schneidraddesign, Anforderungen an die Abbauwerkzeuge und das Austragkonzept sowie das Bodenkonditionierungssystem.

Tim Babendererde von Babendererde Engineers befasste sich mit den unterschiedlichen Abrasionstypen, deren Auswirkungen auf die Vortriebsleistung und die Gesamtbaukosten sowie die Möglichkeit einer Früherkennung durch geeignete Datenerfassungs- und Auswertungssysteme. Anhand von weltweiten Beispielen wurde die Problematik und deren Auswirkung eindringlich dargestellt.

Christian Frenzel von der Colorado School of Mines beschäftigte sich ebenfalls detailliert mit der Problematik der Abrasion und deren Auswirkungen auf das Design der Abbauwerkzeuge. Besonderes Augenmerk wurde hier auf die Disken und Räumer gelegt sowie deren metallurgische Möglichkeiten und Interaktionen untereinander erläutert.

Erik Østby-Delgum von der NTNU Universität Trondheim erweiterte das Thema Abrasion in den Bereich Lockergestein hinein, stellte einige Vorhersagemodelle vor und gab einen vielsagenden Ausblick in die weiter folgenden Forschungsaktivitäten.

Markus Thewes von der Ruhruniversität Bochum setzte sich mit dem Thema der Bodenkonditionierung in kiesigen Böden auseinander. Nach einer theoretischen Einführung in die Problematik wurden die ersten Testergebnisse der neuen Bodenkonditionierungsanlage vorgestellt. Hieraus konnten interessante Rückschlüsse auf unterschiedliche Konditionierungsmöglichkeiten und -mittel gezogen werden. Für die Zukunft ist ein weiterer Ausbau der Versuchsanlage geplant.

Zum Abschluss der Konferenz stellte Lars Langmaack von BASF die neusten Entwicklungen aus dem Bereich der TBM-Zusatzmittel vor. Im Vordergrund standen hier neben den Anti-Abrasions-Additiven (über die schon auf der letzten ITA-Tagung in Vancouver berichtet wurde) die Hintergründe zu den Anti-Ton-Polymeren und die Entwicklung einer neuen Generation von umweltverträglichen und auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Bodenkonditionierungsmitteln.

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