Deutschland

Heslacher Tunnel mit hellen Tunnelwänden – sicherer und optisch ansprechender

Der Heslacher Tunnel in Stuttgart ist mit 2,3 km Länge der längste kommunale Gegenverkehrstunnel in Deutschland. Täglich fahren etwa 50.000 Fahrzeuge durch den zentral gelegenen Tunnel, der die Bundesstraße 14 in Richtung Stuttgarter Innenstadt führt. Das in den 1980er-Jahren errichtete Bauwerk gilt damit als einer der am meisten befahrenen Gegenverkehrstunnel Europas. Bereits in den Jahren 2005 und 2006 wurden im Rahmen von Nachrüstungsmaßnahmen zwei zusätzliche Fluchtstollen gebaut und anschließend eine Brand- und Fluchtwegbeleuchtung nach den gültigen Vorschriften realisiert.

Auch die im letzten Jahr fertiggestellte Baumaßnahme diente der sicherheitstechnischen Nachrüstung: Neben dem Umbau der Lüftungsanlage wurden 38 Rauchabsaugklappen eingebaut, Brandmelde-, Funk- und Lautsprecheranlagen sowie Tunnel- und Verkehrssteuerungen ausgetauscht. Darüber hinaus gehörte die Erneuerung der Tunnelwandbeschichtung zur Sanierungsmaßnahme (Bild 1). Ein Erlass der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) schrieb eine Aufhellung der Tunnelwände vor, um die Sicherheit für die Autofahrer zu erhöhen. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der verkehrstechnischen Relevanz des Tunnels fanden alle Bauarbeiten in den Nachtstunden von 21 bis 5.30 Uhr statt (Bild 2).

Neu entwickelter Oberflächenschutz

Der Bauherr – das Tiefbauamt der Landeshauptstadt Stuttgart – forderte im Vorfeld die Anlage von Musterflächen zur Begutachtung der Qualität des Oberflächenschutzsystems. Dazu entwickelte die Sika Deutschland GmbH auf Basis eines bestehenden Produkts die neue wässrige 2-K-Polyurethanbeschichtung Sikagard-260 WPU, die alle erforderlichen Prüfungen nach OS 4 und vorgeschriebenem Brandschutz erfolgreich durchlief und in die BASt-Liste aufgenommen wurde (Bild 3). Dabei handelt es sich um eine schmutzabweisende Versiegelung zur farbigen Gestaltung von beispielsweise Tunnel- und Parkhauswänden (Bild 4). Sie ist sehr gut zu reinigen und besonders nassabriebbeständig, schwer entflammbar, UV-beständig und vergilbungsfrei. Nachdem durch die Prüfung der Musterflächen sichergestellt war, dass der neue Oberflächenschutz einwandfrei auf der Altbeschichtung haftet, stimmte der Bauherr dem Einsatz der wasserdampfdiffusionsoffenen und karbonatisierungsbremsenden Beschichtung zu.

Als Generalunternehmer der gesamten Tunnelbaumaßnahme beauftragte die Osmo Anlagenbau GmbH & Co. KG die BIK Uhr GmbH mit der Ausführung der neuen Wandbeschichtung. Zunächst wurde die bestehende Beschichtung mit der Tensidlösung zur Oberflächenreinigung Sika Corwash gereinigt. Bei diesem Vorgang wird der vorgenässte Schmutzfilm auf der Altbeschichtung durch manuelles Einbürsten des oberflächenaktiven, alkalischen Mittels chemisch gelöst und entfernt. Der Reiniger ist trotz seiner hohen Wirksamkeit VOC-frei und biologisch abbaubar. Schadstellen wurden gemäß ZTV-ING vorbereitet und mit dem hydraulisch abbindenden 2-Komponenten PCC Reparaturmörtel Icoment-520 Mörtel instandgesetzt. Der gleiche Feinspachtel kam bei der Vorbereitung der Fugenflanken entsprechend ZTV-ING zum Einsatz. Die Fugen wurden anschließend mit dem 1-komponentigen elastischen Dichtstoff Sikaflex PRO 1 FC ausgefüllt (Bild 5). Die vorbereiteten Flächen erhielten dann in zwei Arbeitsgängen eine Beschichtung mit dem neuartigen Oberflächenschutzsystem Sikagard-260 WPU in einem hellen, freundlichen Farbton.

Insgesamt wurden im Heslacher Tunnel in sechs Wochen 14.000 m² Wandfläche beschichtet. Hinzu kam, dass die Lüftungsschächte Fugen- und Haarrisse zwischen Wand und Boden aufwiesen. Zur sicheren Abdichtung kam das Sikadur Combiflex SG System mit dem thixotropen, 2-komponentigen Epoxidharzkleber Sikadur-31 zum Einsatz (Bild 6).

Die erfolgreiche Instandsetzung des Heslacher Tunnels stellte nicht nur den Bauherrn zufrieden, Tag für Tag profitieren Tausende von Autofahrern von dem sicher und in ansprechender Optik gestalteten Tunnel im Süden Stuttgarts. Im gleichen Zeitraum erhielt auch ein zweiter Stuttgarter Tunnel, der B295-Tunnel in Stuttgart-Feuerbach, eine Wandbeschichtung mit Sikagard-260 WPU (Bild 7).

Projektbeteiligte
Bauherr / Client:

Landeshauptstadt Stuttgart, Technisches Referat, Tiefbauamt /

Regional capital of Stuttgart, technical division, Foundation Engineering Office

Planung und Bauleitung / Planning and construction management:

Prof. Dr. Ing. Heinrich Bechert + Partner, Ingenieurbüro für Bauwesen, Stuttgart

Gesamtausführung / Overall execution:

OSMO Anlagenbau GmbH & Co. KG, Georgsmarienhütte

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