Ägypten

Vier Durchschläge bei Straßentunneln unter dem Suez-Kanal

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi weihte am Weihnachtswochenende 2017 am Suez-Kanal sehr bedeutende Entwicklungsprojekte ein. Dazu zählten zwei gigantische, doppelröhrige Straßentunnel unter dem Suez-Kanal. Insgesamt vier Tunnelröhren wurden in rund eineinhalb Jahren für die neuen Verkehrsverbindungen unter der künstlichen Wasserstraße vorgetrieben. Sie sind nun nahezu komplett im Rohbau fertiggestellt: Zwei Tunnelröhren entstanden nördlich von Ismailia und verlaufen unter dem alten und neuen Suez-Kanal. Zwei weitere unterqueren den Kanal südlich von Port Said.

Ägypten erweitert mit diesem essentiellen Großprojekt seine Infrastruktur. Die leistungsfähige Anbindung der Kanalstädte ans östliche Ufer der Wasserstraße wird die Handelsaktivitäten vereinfachen, den Verkehr erleichtern und die wirtschaftliche Entwicklung der Region unterstützen.

 

Vier Durchschläge innerhalb eines Monats

Für die neuen Suez-Querungen orderte Staatspräsident al-Sisi bei Herrenknecht insgesamt vier baugleiche Tunnelbohrmaschinen (TBM S-958–S-961). Diese riesigen Vortriebsmaschinen stellten unter der Regie der bauausführenden Joint Ventures Arab Contractors/Orascom und Petrojet/Concord/CMC nahe der ägyptischen Städte Ismailia und Port Said die Tunnel in Tiefen von bis zu 60 m und bei bis zu 6 bar Wasserdruck in den vergangenen 19 Monaten sicher her. Alles in allem bohrten und bauten die High-Tech-Maschinen aus Schwanau 15,3 km neue Tunnel.

Um einen reibungslosen Projektverlauf bei den sehr komplexen Tunneloperationen zu ermöglichen, bildete die Herrenknecht AG 40 ägyptische Ingenieure in Schwanau und auf den Baustellen aus. Um die Vortriebsprozesse optimal zu unterstützen, versorgte Herrenknecht die Vortriebsmannschaften zudem mit umfassenden Serviceleistungen und stellte wesentliche Peripherie-Einrichtungen über die Herrenknecht Tochtergesellschaften VMT, MSD, Formwork, H+E und TMS bereit.

Der Straßentunnel bei Ismailia hat eine Länge von 4,8 km und einen Innendurchmesser von 10,6 m. Jede Röhre wird über zwei Fahrbahnen mit einer Breite von jeweils 3,75 m verfügen. Der doppelröhrige Tunnel bei Port Said hat nahezu die gleichen Abmessungen, mit Ausnahme der Länge von 2,8 km.

Die Vortriebe der vier Herrenknecht-Vortriebsmaschinen wurden im November 2015 am Ismailia-Tunnel eingeläutet. Die erste TBM (S-958) erreichte ihr Ziel am 3. Dezember 2017. Die weiteren Durchbrüche erfolgten am 14. Dezember (S-959), am 23. Dezember und am 4. Januar 2018 (S-961). Damit sind die maschinellen Vortriebe abgeschlossen.

Beim finalen TBM-Durchbruch des Mixschildes S-960 bei Ismailia waren der ägyptische Präsident al-Sisi und Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG, persönlich anwesend. Staatspräsident al-Sisi betonte dabei, dass das Projekt für Ägyptens Zukunft entscheidend sei. Die bisher ökonomisch vernachlässigte Halbinsel Sinai kann damit wirtschaftlich wachsen. Die Tunnel verkürzen die Zeit für die Passage des Suez-Kanals immens: bislang beanspruchte die Überquerung mitunter bis zu fünf Tage, da sich kilometerlange Schlangen zu den Fährschiffen zurückstauen. Mit den neuen Tunnelverbindungen wird es bald nur noch 10 Minuten dauern.

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