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ITA Awards 2016 in Singapur verliehen

In Singapur wurde am 11. November 2016 bereits zum zweiten Mal, nach 2015 (im Versuchsstollen Hagerbach, Schweiz), der ITA Award der International Tunnelling and Underground Space Association verliehen. Eine 17 Personen umfassende Jury unter Leitung von ITA Präsident Tarcísio Celestino hatte die schwere Aufgabe, unter 98 Bewerbern (2015: 110) aus 25 Ländern die letztendlich 11 Preisträger des ITA Awards zu ermitteln. 30 Vertreter der Projekte und sechs „Junge Tunnelbauer“ erhielten die Gelegenheit, sich und ihre Leistungen vorzustellen.

 

Deutsche Preisträger

Erfreulich ist, dass bei vielen Projekten Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum am Erfolg der technischen Meisterleistungen beteiligt sind. Insbesondere ragt dabei die Herrenknecht AG mit ständig neuen Innovationen heraus. Dies mag man als Ansporn verstehen, weiter „Made in Austria, Germany and Switzerland“ zu liefern. So gewann „Das Emscher-Projekt – Zurück zur Natur!“ den ITA Award in der Kategorie Umweltinitiative des Jahres 2016. Für sein Lebenswerk wurde als eine der herausragenden Persönlichkeiten im Tunnelbau Dr. Martin Herrenknecht ausgezeichnet.

 

Neuer Guanjiao Tunnel: Projekt des Jahres 2016 über 500 Millionen Euro

Der neue Guanjiao Tunnel im Zuge der Qinghai-Tibet Bahnstrecke in China ist das mit dem ITA Award gewürdigte größte Tunnelbauprojekt des Jahres 2016 mit über 500 Millionen Euro Kostenrahmen (Bild 1). Der 32,69 km lange Guanjiao Tunnel ersetzt die alte, sich durch das Gebirge windende Bahn und verkürzt die nötige Fahrtstrecke und -zeit deutlich. Besondere Rahmenbedingungen wie 3400 m Höhe mit niedrigem Sauerstoffgehalt, durchschnittliche Temperatur von 0 °C über das ganze Jahr, geringe Effizienz bei Maschinen- und Personaleinsatz und vieles mehr erschwerten die Durchführung. Wegen der sehr niedrigen Sauerstoffgehalte in der Höhe wurden für jeden Schrägschacht mehrere gleichzeitige Ortsbrustangriffe angeordnet, um den Vortrieb zu beschleunigen. Sauerstoffgeräte wurden an jeder Ortsbrust bereit gestellt und an jedem Tunnelportal wurde eine Überdruckkammer mit Sauerstoff vorgehalten. Es wurde ein ausgeklügeltes System zur Ventilation verwendet. In den Schrägschächten wurde der von festen Brecheranlagen zuvor zerkleinerte Abraum mit einem Förderband abtransportiert, um die Emissionen aus Lkw-Transporten zu minimieren. Seit der Inbetriebnahme im Dezember 2014 läuft der Bahnbetrieb im Guanjiao Tunnel.

 

Singapur gewinnt Preis für Tunnelbauprojekt des Jahres 2016 zwischen 50 und 500 Millionen Euro

Für den Bau der Fort Canning Station inklusive der Tunnelanbindung in Singapur erhielt Esen Sze Yu Sheng (Bild 2) stellvertretend für alle Projektbeteiligten den ITA Award für das Tunnelbauprojekt des Jahres 2016 mit 50 bis 500 Millionen Euro Kostenrahmen. Das ausgezeichnete Projekt ist Teil des Metroausbaus der 21 km langen Downtown Linie 3 in Singapur mit 16 Stationen und drei Umsteigebahnhöfen. Insbesondere der Bau der Metrostation Fort Canning mit der Umleitung des Singapore Rivers (Bild 3) in verschiedenen Bauphasen stellte die Ingenieure vor besondere Herausforderungen, die mit der Verleihung des ITA Awards gewürdigt wurden.

 

Herausragendes Tunnelbauprojekt in 2016 bis 50 Millionen Euro in China

Mit der Chongqing Hongqihegou Metro Station erhielt Xiao Longge (Bild 4) den ITA Award für das herausragende Projekt in 2016 bis 50 Millionen Euro Kostenrahmen. Das Metro-Projekt erforderte besondere Lösungen, um die komplexe vorhandene Bebauung mit zahlreichen Fundamenten nicht zu stören, wobei die maximale Überdeckung von nur 8,6 m die Ausführung nicht gerade vereinfachte. Man entschied sich, die Station in vier unterschiedlich großen Vortrieben (Bild 5) mit dem Verfahren der selbsttragenden Felsabstützung aufzufahren. Dabei wurde der gesamte Querschnitt in vier Abschnitte unterteilt: außen wurden oben und unten jeweils zwei Bereiche abgetragen, sodass ein innenstützendes Kreuz aus Felsgestein die Lasten von den Seiten und von oben aufnahm. Nun wurde der obere Teil abgebaut und gleichzeitig der Innenausbau im oberen Teil vorgenommen. Weiter nach unten kommend, wurde nach und nach der stützende Fels durch den Innenausbau ersetzt.

 

ITA Award für Umwelt-Initiative 2016 an Emscher-Projekt

Eines der größten Umwelt- und Abwasserprojekte weltweit stellte Dr. Klaus Rieker, Leiter Tunnelbau Wayss & Freytag Ingenieurbau AG, Frankfurt/Main geminsam mit Martin Froning von der Emschergenossenschaft, Essen, vor (Bild 6). Bis zur Inbetriebnahme in 2017 und der endgültigen Fertigstellung in 2020 werden rund 4,5 Milliarden Euro in den Bau von vier dezentralen Kläranlagen, 400 km neuer Kanäle und 350 km Renaturierung investiert worden sein. In verschiedene Bauabschnitte aufgeteilt und an unterschiedliche Auftragnehmer vergeben, führte das Unternehmen 47 km Rohrvortriebe (Durchmesser DN 300 bis zu 2800) und 117 bis zu 40 m tiefe Schächte mit Durchmessern von 5 bis 24 m im Bauabschnitt 30 aus.

 

ITA Award für das Lebenswerk von Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht

„Es ist mir eine große Ehre, den Preis für das Lebenswerk einem der herausragendsten und brillantesten Experten unserer Tunnelbau-Familie verleihen zu dürfen“, begann Tarcísio Celestino die Würdigung einer Ingenieurkarriere, die kaum zu übertreffen ist. Schon nach den ersten Worten des ITA-Präsidenten fielen alle Blicke im Saal auf Dr. Martin Herrenknecht. „Unzählige seiner Entwicklungen haben den Tunnelbau verändert und sind nicht wegzudenken aus unserem Alltag.“ Kaum eines der ganz großen Projekte ist nicht in irgendeiner Weise auch mit seiner Beteiligung realisiert worden (Bild 7).

 

Preis für Sicherheitsinitiative geht nach Singapur

Mit ABSIS (Activity Based Safety Improvement System) wurde bei einem Kabeltunnel-Projekt in Singapur, bei dem durchschnittlich 3500 Arbeiter pro Tag eingesetzt sind, ein Sicherheitssystem entwickelt, mit dem fast alle sicherheitsrelevanten Situationen während des Tunnelbaus in einem Video so präsentiert wurden, dass die Zahl der Unfälle und sicherheitsbedingten Ausfälle signifikant reduziert wurden, beschrieb Edward Raj (Bild 8) von Singapore Power die Erfolge. Systematisch wurden Gefahrenstellen und -situationen identifiziert, entschärft oder ganz ausgeschaltet und das Sicherheitsbewusstsein der Arbeiter geschult.

 

Technische Innovation des Jahres kommt aus Brasilien

Der ITA Award für die beste technische Innovation 2016 ging an das von Julio C. Di Dio Pierri, Odebrecht, für die Arbeitsgemeinschaft Linie 4 Sul vorgestellte Projekt (Bild 9). Ausgezeichnet wurde die Anwendung einer Hybrid EPB-Tunnelbohrmaschine mit 11,46 m Durchmesser von Herrenknecht, die erfolgreich in reinem Sand in Rio de Janeiro zum Einsatz kam: anfänglich im offenen und nach dem Umbau in geschlossenem Modus. So konnte der 4 km lange Teilabschnitt der Metro 4, bestehend aus dem standfesten Hartgestein Gneis und dem vorwiegend sandigen Boden, mit einer TBM bewältigt werden.

 

Innovative Nutzung unterirdischer Bauwerke in Singapur

Die Entwicklung unterirdischer Felskavernen zur Lagerung flüssiger Kohlenwasserstoffe in den Jurong Rock Caverns (JRC), Singapur, vorgestellt von Teo Tiong Yong (Bild 10) von der JTC Corporation, wurde mit dem ITA Award für die innovativste Nutzung unterirdischen Raumes ausgezeichnet. In einer Tiefe von 120 bis 150 m werden unterirdisch rund 30 ha Fläche in zwei Phasen zur industriellen Nutzung geschaffen. Dabei wurden allein in der ersten Phase etwa 1,47 Millionen m3 Lagervolumen gebaut. Die einzelnen Kavernen haben in der Regel eine Höhe von 27 m, eine Länge von 340 m und in der Grundfläche eine Breite von 20 m. Die Kavernen wurden im Bohr- und Sprengvortrieb aufgefahren und, wo notwendig, mit Spritzbeton gesichert. Die beiden Kavernen der ersten Bauphase sind bereits seit Mitte 2014 in Betrieb, während die Inbetriebnahme der Kavernen 3–5 bis März 2017 geplant ist.

 

Erweiterung der Vauxhall Station in London

Den ITA Award für die interessanteste Erweiterung/Renovierung erhielt Kurt Zeidler (Bild 11) stellvertretend für das Projekt der Erweiterung der U-Bahnstation Vauxhall in London. „Durch die sehr engen Baustellenverhältnisse mitten in Londons City kann man mehr von einem „Teelöffel-Tunnelbau“ denn von einer Tunnelbaumaßnahme sprechen“, beschrieb Zeidler den stark begrenzten Arbeitsraum, was er eindrucksvoll in einem Video über „die Arbeiten auf einer Euro-Münze“ belegte. Insbesondere die logistischen Herausforderungen in der innerstädtischen Umgebung waren enorm.

 

Junger Tunnelbauer 2016 aus Malaysia

Derek Eng aus Malaysia wurde von der ITA zum jungen Tunnelbauer des Jahres 2016 gewählt und setzte sich damit gegen eine starke Konkurrenz in der letzten Runde durch (Bild 12). Derek Eng ist Assistant Manager in der Tunnelbau-Abteilung von MMC Gamuda KVMRT(T) Sdn. Bhd., eine renommierte malaysische Baufirma und Hauptauftragnehmer für den Bau der U-Bahnstationen und der Tunnel des MRT-Projektes in Kuala Lumpur.

 

ITA Award 2017 am 15. November in Paris

Der ITA Award wird in diesem Jahr am 15. November vergeben. Die Veranstaltung wird Teil des 15. internationalen Kongresses des Französischen Tunnelbauverbandes AFTES „The Value is Underground“ vom 13. bis 16. November 2017 in Paris sein.

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