Schweiz

Chienbergtunnel:  Sanierungs­arbeiten 6 Jahre nach Eröffnung

Der 2,3 km lange, zweispurige Chienbergtunnel, Umfahrungstunnel von Sissach, ging nach 6 Jahren Bauzeit kurz vor Weihnachten 2006 in Betrieb und wird heute von rd. 15.000 Fahrzeugen täglich genutzt. Seinerzeit verdoppelten sich die Baukosten von fast 180 auf 330 Mio. CHF (275 Mio. €), und zwar

durch einen Tagbruch von 4.000 m³ zwei Jahre nach dem Anstich mit 8 Monaten Verzögerung (Mehrkosten 25 Mio. CHF/21 Mio. €) und

durch in 2004 unerwartet schnelle Hebungen der Tunnelsohle bis zu 75 cm auf 370 m Länge infolge Quellen des Gipskeupers, der beim Tunnelbau durch eindringendes Wasser quillt; als Gegenmaßnahme wurde das steife Sohlgewölbe durch eine Knautschzone darunter ergänzt, ausgebaut als Fluchtweg und Kabelstollen (Mehrkosten 100 Mio. CHF/83 Mio. €). Der Tunnel hat eine bis 1,10 m dicke Innenschale mit Ringschluss etwa alle 450 m.

Bisher haben sich die Maßnahmen zur Bekämpfung der Hebungen bewährt, jedoch wurden jetzt am nachgiebigen Ausbau Sanierungsarbeiten notwendig. Die Sohle der Knautschzone hat sich in den letzten 6 Jahren um bis zu 76 cm  infolge Ausfalls von Felsankern in der Sohle gehoben (wird mit Saugbagger abgetragen) und die Tunnelsohle, also die Fahrbahnplatte, infolge seitlichen Quelldrucks einseitig etwas gewölbt. Es wurde ein neues Gleitsystem eingeführt, wobei der Tunnel auf zwei Balken aus Beton zu stehen kommt, die auf neuartigen Knautschkörpern ruhen. Um dem Quelldruck von unten zu begegnen, werden durch die erneuerte Betonplatte der Knautschzone 700 Felsanker 20 m tief in den Boden gebohrt und entsprechend vorgespannt. Die Arbeiten wurden Ende 2012 beendet. Dabei mussten über 600 m³ Material abgebaut werden. Man rechnet damit, dass man derartige Eingriffe erst wieder in etwa 6 Jahren zu machen hat.⇥G.B.

Literatur/References

[1] Hebungen im Chienbergtunnel Sissach. Tunnel 7/2004, p. 8

[2] Untersuchung des Tagbruchs beim Chienbergtunnel. Tunnel 1/2005, p. 7

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