Neue Produkte

Kabelschutzrohre als vorgefertigte Leerrohrpakete

Zusammen mit der Handelsvermittlung Heibel GmbH entwickelte die Arge Katzenbergtunnel ein neuartiges System zur Verlegung der Kabelschutzrohre: als Fertigteile in „Paketform“. Das spart Zeit und Platz, die Qualität steigt.

In Spitzenzeiten arbeiteten nahezu 450 Personen am Bau des Katzenbergtunnels – auf einer rd. 100000 m2 großen Baustelle. Bei Bauvorhaben dieses Ausmaßes kommt es auf eine akribische Planung und individuelle Lösungen an. Besonderes Augenmerk richtete die Arge Katzenbergtunnel u. a. auf die Verlegung der Kabelschutz-rohre. Diese schützen die im Bankettbereich verlegten Strom- und Telekommunikationsleitungen während der geplanten 70-jährigen Betriebsdauer des Tunnels. Rund 360000m der Kabelschutzrohre ziehen sich durch die 2 Tunnelröhren. Damit stellen die Materialkosten der Kabelschutzrohre und deren Einbau einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Deshalb entwickelte die Arge Katzenbergtunnel zusammen mit Heibel, die die Kabelschutz- und Löschwasserrohre für den Bau des Katzenbergtunnels liefert, ein neuartiges System zur Verlegung der Rohre: vorgefertigte „Leerrohrpakete“ und damit eine neue Verfahrensweise im Tunnelbau. Beim Katzenbergtunnel beschritt das Planungsteam mit der Verlegung der Kabelschutzrohe in „Leerrohrpaketen“ neue Wege. So funktioniert das System: Es werden Kabelblöcke mit 16 Kabelschutzrohren vorab in den Fertigungshallen der Arge Katzenbergtunnel betoniert. Die Vorfabrikation hat den Vorteil, dass in den Tunnelröhren die Fertigteile nur noch zusammengesteckt werden müssen – mittels fester Rohrverbindungen.

Platzsparender Einbau der Rohre

Da der Katzenbergtunnel aus 2 parallel verlaufenden Röhren besteht und damit die einzelnen Tunnel bedeutend kleiner ausfallen als bei der Ein-Röhrentunnel-Bauweise, stand das Projektteam vor allem vor einem Platzproblem. Diplom-Ingenieur Josef Sautter, Koordinator bei der Arge Katzenbergtunnel, erklärt die Schwierigkeit: „Bedingt durch den Einsatz des Einspurtunnels gibt es für den Einbau der Kabel-schutzrohre zur Banketther-stellung im Tunnel nur wenig Platz. Nur durch eine konsequente Vorfertigung einzelner Bauteile ließ sich der Bau von 2 x 60 m bewehrter Bankette in jeder Röhre pro Tag erreichen.“

Darüber hinaus befürchtete man, dass es beim separaten Einbau der 16 Kabelschutzrohre im Tunnel infolge des geringen Abstandes zwischen den einzelnen Rohren zu Schwierigkeiten kommen könnte. Der Grund: Das Risiko, dass Leer-räume beim Betonieren der Hohlräume zwischen den Kabelschutzroheren entstehen, ist bei der „herkömmlichen“ Bauweise vorhanden. Derartige „Luftlöcher“ würden sich nachteilig auf die Qualität des Bauwerks auswirken. Die gewählte Lösung dagegen gewährleistet, dass die Zwickel zwischen den einzelnen Kabelleerrohren hohlraumfrei mit Beton verfüllt werden können.

Um bei der Herstellung der Fertigteile zu garantieren, dass die Kabelschutzrohre nicht durch den Beton beschädigt werden und in ihrer ursprünglichen Form bestehen bleiben, erhalten die Kabelschutzrohre durch innenliegende Stahlrohre die notwendige Stabilität. So verformen sich die Rohre trotz des Auftriebs beim Betonieren der Leerrohrpakete nicht. Mit dem Ausschalen des Betons können dann auch die Stahlrohre problemlos wieder entfernt werden. Durch diverse Testläufe, mit deren Hilfe die Stabili-tät der neuartigen Verlegung der gewellten Kabelschutzrohre S110/94 PE-HD unter Beweis gestellt wurde, wurde auch die DB AG als Bauherr vom Einsatz der gewellten Rohre überzeugt. Sie weisen ein geringeres Materialgewicht je Meter auf und führen gegenüber Kabelschutzvollrohren zu einer nicht unerheblichen Ersparnis in Bezug auf die Materialkosten.

Die geringeren Materialkosten von rd. 50 % gegenüber den herkömmlichen Kabelschutzvollrohren würden damit die teurere Vorfertigung der Leerrohrpakete wieder aufwiegen. Zudem führt die Verlegungsweise zu einer terminlichen und qualitativen Steigerung der Leistung bei geringen Platzverhältnissen. Damit eignet sie sich z. B. für den Bau von Banketten in den zukünftig aus Sicherheitsgründen von der DB geplanten eingleisigen Fernbahnröhren.

Durch die Vorproduktion im eigenen Betonfertigteilwerk können die 16 rd. 6 m langen einzelnen Rohre exakt und nahezu auf den Millimeter genau parallel zueinander verlegt werden. Durch die präzise Lage der Rohre zueinander können die einzelnen Kabelrohrblöcke im Tunnel ohne Probleme zusammengesteckt werden. Gleichzei-tig kann infolge der Vorpro-duktion außerhalb des Tunnels während der späteren Herstel-lung der Bankette im Tunnel Arbeitsraum und Bauzeit gespart werden. So lässt sich die Einbauleistung für die Herstel-lung der bewehrten Bankette im Tunnel erhöhen und damit die Fertigstellung des Innenausbaus der Tunnelröhren beschleunigen.

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Ausgabe 2010-03 Neue Produkte

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