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Forum Injektionstechnik: Neues ABI-Merkblatt vorgestellt

Im Rahmen des erstmalig veranstalteten Forums Injektionstechnik wurde Ende November 2014 in Düsseldorf die in wichtigen Teilen überarbeitete dritte Neuauflage des Merkblatts „Abdichten von Bauwerken durch Injektion“ (ABI-Merkblatt) vorgestellt.

Das neue ABI-Merkblatt

Die Neuauflage des ABI-Merkblatts beschreibt den neuesten Sachstand auf dem Gebiet nachträglicher Verfahren zur Behebung von Schäden an der Abdichtung erdberührter Bauteile. Es wurde von einer Arbeitsgruppe anerkannter Fachleute aus den Bereichen Planung, Materialherstellung, Ausführung und Materialprüfung unter der Leitung der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e. V. (STUVA) erarbeitet. Die in diesem Merkblatt beschriebenen Materialien und Applikationsverfahren stellen in technischer Hinsicht oft die einzige effektive und wirtschaftliche Möglichkeit zur Schadensbehebung dar, denn für eine ganze Reihe in diesem Zusammenhang eingesetzter Materialien und Verfahren existieren keine Anwendungsnormen oder fachtechnischen Regelwerke. Auf Basis der vorangegangenen Ausgaben der Jahre 2005 und 2007 hat die Neuauflage eine grundlegende Überarbeitung erfahren und wurde darüber hinaus in wesentlichen Teilen ergänzt.Die Neuauflage reflektiert in großem Maß auch hinzugewonnene baupraktische Erfahrungen, Fortschreibung nationaler und europäischer Regelwerke sowie das zunehmende Fachwissen aus einer sorgfältigen Analyse jüngster Forschungsergebnisse.

Das ABI-Merkblatt gibt zahlreiche technische Lösungen und Hinweise für das Zusammenwirken der am Bau Beteiligten. Mittlerweile hat es sich als Standardwerk auf dem Gebiet der Injektionstechnik etabliert und ist eine wichtige und nutzbringende Informationsquelle für ausschreibende Stellen, ausführende Unternehmen sowie Material- und Gerätehersteller. Der aktuelle Stand der Injektionstechnologie in der Bauwerksabdichtung ist aber auch für Eigentümer, Baulastträger öffentlicher Infrastrukturen und Nutzer von Bauwerken von großem Interesse.

Aufgrund der breitgefächerten Relevanz für verschiedene Berufsgruppen und der thematischen Aktualität der Sanierung von Bestandsbauwerken war auch das Forum Injektionstechnik entsprechend gut besucht: Mehr als 90 Teilnehmer saßen in den Publikumsreihen der Fachvorträge und informierten sich bei der begleitenden Ausstellung über die aktuellen Anwendungsverfahren und Materialien bei Herstellern, ausführenden Unternehmen und Planern.

Informationen aus erster Hand

Veranstaltet wurde das Forum gemeinschaftlich vom Bauverlag, der STUVA und dem Ingenieurbüro IBE-Ingenieure. Dipl.-Ing. Jörg de Hesselle, Sprecher der Arbeitsgruppe des ABI-Merkblatts, führte durch das Programm, das dem Fachpublikum unter anderem Informationen der Merkblatt-Autoren aus erster Hand bieten konnte, den Stand der Technik sowie die Wahl der geeigneten Injektionsmittel und -verfahren beleuchtete. Die Bandbreite der Injektionstechnik wurde anhand praktischer Beispiele ausgeführter Projekte unmittelbar nachvollziehbar gemacht.

Der einleitenden Begrüßung durch STUVA-Geschäftsführer Dr.-Ing. Roland Leucker folgend, erläuterte Prof. Dr.-Ing. Alfred Haack, Leiter der Merkblatt-Arbeitsgruppe, in einer kompakten Einführung den Aufbau und das Themenspektrum des ABI-Merkblatts – von den allgemeinen Regelungen und Planungsgrundsätzen der Bauwerksabdichtung mit Hilfe der Injektionstechnik über Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten der derzeit marktüblichen und häufig eingesetzten Injektionsstoffe bis hin zu den Themenbereichen der Ausführung, Überwachung und Qualitätssicherung.

Jörg de Hesselle befasste sich in einem eigenen Vortrag mit der Frage der Notwendigkeit einer Planung von Abdichtungsinjektionen. Wichtige Bestandteile einer solchen Planung: eine klare Zielsetzung, eine Voruntersuchung mit Ursachenermittlung, Informationen zu Bauwerk und Baugrund und schließlich die gezielte Wahl des Verfahrens auf der Grundlage dieser Vorerkundung. In Praxisbeispielen wurden auch die verschiedenen Anwendungsgebiete von Schleierinjektionen, Flächeninjektionen und Injektionen von Bewegungsfugen aufgezeigt.

Verschiedene Injektionsstoffe für verschiedene Anwendungen

Dr.-Ing. Ute Hornig von der MFPA für das Bauwesen, Leipzig, gab einen Überblick über die verfügbaren Injektionsstoffe und -technologien, Stoffeigenschaften sowie deren allgemeine und projektspezifische Leistungsanforderungen. Die Auswahl der Injektionsstoffe sei grundsätzlich einsatzabhängig, so Hornig. Da viele Stoffe mit besonderen Eigenschaften sich jedoch nicht in Normenkategorien einordnen ließen, sei der Nachweis nach Prüfberichten entsprechend dem ABI-Merkblatt für einen sachgemäßen Einsatz erforderlich. Dipl.-Ing. Matthias Rudolph (MFPA Leipzig) referierte über Rissinjektionen von Stahlbetonbauteilen mit Acrylatgelen und verdeutlichte ihre Vorteile anhand von Vergleichen mit alternativen Stoffen wie Polyurethanharzen, Epoxidharzen und Zementen.

Rechtliche Fragen und Detailwissen aus der Praxis

Auch die rechtlichen Aspekte zum Planen und Bauen mit dem ABI-Merkblatt waren Teil des Fachprogramms: Der Vortrag von Dr. Meinhard Forkert wurde mit besonderem Interesse verfolgt, was sich entsprechend in den zahlreichen Fragen aus dem Publikum widerspiegelte.

Dipl.-Ing Rainer Angst von der BeMo Tunnelling GmbH referierte auf der Grundlage umfangreicher Praxiserfahrungen über die Ausführung von Injektionen im Gebirge. Er legte dabei auch einen Schwerpunkt auf das Qualitätsmanagement durch Erstellung eines Injektionskonzeptes (das zur Erstellung präziser Arbeitsanweisungen führt) und durch genaue Dokumentation, etwa anhand von Injektionsprotokollen und Festigkeitsprüfungen.

Den Abschluss der erfolgreichen Fachveranstaltung bildete der Vortrag von Dr.-Ing. Knut Herrmann (MPA Braunschweig) zum Thema der nachträglichen Abdichtung innerstädtischer Straßentunnel und Fußgängerunterführungen, mit speziellem Fokus auf Fugenabdichtungen. Diese stellen auch bei Tunnelbauwerken hinsichtlich der Dichtigkeit häufig einen Schwachpunkt in der Konstruktion dar. Ihre nachträgliche Abdichtung ist ein nicht geregeltes Sonderverfahren, das grundsätzlich im Rahmen einer fachkundigen Planung stattfinden sollte.

Das „ABI-Merkblatt – Abdichten von Bauwerken durch Injektion“ ist erschienen im Fraunhofer IRB Verlag und zum Einzelpreis von 45 Euro erhältlich (76 Seiten, broschiert, ISBN 978-3816793601)

The ABI-Merkblatt  –  Sealing of Buildings through Grouting – is published by the Frauenhofer IRB Verlag and is available for 45 euros per copy (76 pp., softbound, ISBN 978-3816793601)

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