Vereinigtes Königreich

Bohrstart für Kabeltunnel unter der Themse im Mai 2026

National Grid, der Betreiber des Übertragungsnetzes in England und Wales, baut sein Hochspannungsnetz im Rahmen des Projekts „The Great Grid Upgrade“ aus. Ein Schlüsselprojekt ist ein 2200 m langer Kabeltunnel unter der Themse von Gravesend nach Tilbury.  Anfang Mai 2026 hat eine Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine vom Typ Mixschild den Vortrieb aufgenommen. Start- und Zielschacht für den Kabeltunnel werden mit Europas größter Schachtabsenkanlage, gleichfalls von Herrenknecht, erstellt.Mit dem Bau des Kabeltunnels für das 400 kV Hochspannungskabel hat National Grid das Joint Venture Ferrovial Bemo (Ferrovial Construction und Bemo Tunnelling UK Ltd.) beauftragt.

Themse-Kabeltunnel – der Mixschild wird in den Startschacht in Tilbury gehoben
Credit/Quelle: Herrenknecht

Themse-Kabeltunnel – der Mixschild wird in den Startschacht in Tilbury gehoben
Credit/Quelle: Herrenknecht

Das „Great Grid Upgrade“ von National Grid ist die größte Modernisierung des Stromnetzes seit Generationen und trägt dazu bei, die Energiesicherheit zu stärken, indem mehr Energie aus inländischen, kostengünstigeren Quellen eingespeist wird. Es wird erwartet, dass der Strombedarf erheblich steigen und sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird, da Haushalte, Unternehmen, öffentliche Versorgungseinrichtungen, der Verkehrssektor und die Industrie zunehmend auf Strom umsteigen.

Speziell auf das Projekt zugeschnittene Tunnelbohrmaschine

Die Herrenknecht AG hat vom Joint Venture Ferrovial Bemo den Auftrag für eine speziell auf die Projektanforderungen ausgerichtete Tunnelbohrmaschine (TBM) erhalten. Die TBM vom Typ Mixschild hat 4730 mm Durchmesser, ist 108 m lang und wiegt insgesamt 464 t. Unter der Themse trifft die TBM voraussichtlich auf einen Mischboden aus Kreide mit Feuerstein, mit Gesteinshärten von bis zu 1000 MPA.

Herausfordernd ist auch der hohe Wasserdruck unter der Themse. Die Baustelle liegt im Mündungsbereich des Flusses in die Nordsee. Dementsprechend ist die TBM, auch wegen des Tidenhubs, auf einen Wasserdruck von 4,5 bar ausgelegt. Während an der Ortsbrust der Wasser- und Erddruck herrscht, wird der Rest der Maschine unter atmosphärischem Druck gehalten. Die TBM ist gegen den Wasserdruck 41 m unter der Themse mit einem mehrfachen Dichtungssystem abgedichtet. Für Arbeiten an der Ortsbrust, beispielsweise für einen Werkzeugwechsel am Schneidrad, verfügt der Mixschild über eine Personenschleuse, mit der sich Mitarbeiter schrittweise – ähnlich wie bei einem Tauchgang – an die unterschiedlichen Druckverhältnisse anpassen können.

Der Ausbau des Tunnels erfolgt mit Tübbingen. Er wird einen Innendurchmesser von 4 m und einen Außendurchmesser von 4,50 m haben. Mit einem hydraulischen Überschneider kann der Bohrdurchmesser vergrößert werden. Dies ermöglicht Kurvenfahrten und vereinfacht Korrekturen bei der Steuerung. Der Kurvenradius des Tunnels beträgt 350 m.

Aufgrund der komplexen Geologie ist der Mixschild zusätzlich als „Minigripper“ ausgelegt und verfügt über sogenannte Verrollflossen. Damit kann die Maschine festgesetzt werden, damit das Schneidrad nötigenfalls zurückgezogen werden kann. Zusätzlich ist der Mixschild mit einem Bohrgerät zur Vorauserkundung und einer Teleskopkamera ausgestattet, sodass die Ortsbrust inspiziert werden kann, ohne dass das Personal unter Überdruck arbeiten muss. So können Hindernisse im Gestein rechtzeitig erkannt und die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden. Darüber hinaus liefert Herrenknecht eine Separationsanlage, Vermessungstechnik des Tochterunternehmens VMT und Multi- Service-Fahrzeuge, die die Tübbinge vom Startschacht zur TBM in den Tunnel transportieren.

Europas größte Schachtabsenkungsanlage teufte Start- und Zielschacht ab

Vertical Shaft Sinking Machine (VSM) beim Bau des Startschachts für den Themse-Kabeltunnel
Credit/Quelle: National Grid

Vertical Shaft Sinking Machine (VSM) beim Bau des Startschachts für den Themse-Kabeltunnel
Credit/Quelle: National Grid
Beim Bau von Start- und Zielschacht kam Europas größte Schachtabsenkanlage (VSM für Vertical Shaft Sinking Machine) mit einem Durchmesser von 15 900 mm zum Einsatz. Herrenknecht lieferte für den Schachtbau neben der VSM eine leistungsstarke Trennanlage zur Aufbereitung des Aushubmaterials und Segmentformen für den Ringbau. Dazu kommen umfangreiche Dienstleistungen von der Logistik bis zur Unterstützung vor Ort.

Den 45 m tiefen Startschacht in Gravesend am Südufer der Themse teufte die VSM von Herrenknecht in nur vier Wochen von Mitte November bis Mitte Dezember 2025 ab. Die VSM-Technologie eignet sich besonders für weiche Böden mit hohem Grundwasserspiegel, da sie ohne kostspielige Grundwasserabsenkung auskommt. Durch das gleichzeitige Abteufen der Schachtwand und den Ringbau sind Abteufgeschwindigkeiten von bis zu 2,7 m pro Tag möglich. Diese Methode verkürzt die Bauzeit, minimiert die Umweltbelastung und erhöht die Sicherheit, da kein Personal im Schacht benötigt wird und alle Arbeiten vollständig von der Oberfläche aus gesteuert werden.

Nach dem Bau des Startschachts in Gravesend wurde die VSM demontiert und zur Baustelle des Zielschachts in Tilbury transportiert. Dort erstellte sie von Mitte März bis Anfang Mai 2026 den 48 m tiefen Zielschacht. Die Tunnelbohrmaschine wird die Schachtwand an einer vordefinierten, bewehrungsfreien Stelle durchbrechen.

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