Forschung und Entwicklung

STUVA Nachrichten

Neues Forschungsvorhaben ESIMAS

Am 19. Januar 2012 fand in der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) die Auftaktveranstaltung zum Verbundprojekt ESIMAS (Echtzeit-Sicherheits-Management-System für Straßentunnel) statt. Ziel ist die Entwicklung eines innovativen Erkennungs- und Expertensystems, das das Leitstellenpersonal bei der 24-Stunden-Überwachung der Tunnel unterstützt.

Um die Sicherheit der Straßentunnel zu gewährleisten, werden mehr als 400 m lange Tunnel ständig durch eine Tunnelleitzentrale überwacht. Die dort eingehende Flut von Einzelinformationen, wie Kamerabilder und zahlreiche Sensordaten, muss permanent durch das Personal erfasst und beurteilt werden. Das Projekt ESIMAS wird neue Wege aufzeigen, um die Leitstellenmitarbeiter zu unterstützen (Bild 1).

Auf Grundlage der Datenanalyse und -bewertung von ESIMAS können zukünftig sicherheitsrelevante Ereignisse wie ein Brand im Tunnel zuverlässig und rechtzeitig erkannt werden. Im Ernstfall soll ESIMAS dem Leitzentralenpersonal sowie den Einsatz- und Rettungsdiensten Handlungsempfehlungen zur Ereignisbewältigung zur Verfügung stellen (Bild 2). Auf Basis dieser Handlungsempfehlungen können Maßnahmen schnellstmöglich und gezielt durchgeführt werden.

Der innovative Ansatz von ESIMAS besteht in der ganzheitlichen Betrachtung aller Einzelinformationen und ihrer automatischen Auswertung und Bewertung. So liegen zukünftig in Echtzeit präzise Informationen zum aktuellen Sicherheitsniveau im Tunnel vor. Hierdurch ist eine schnellere Reaktion der Leitstelle zum Schutz der Verkehrsteilnehmer möglich. Zur Unterstützung sollen neue Detektionstechnologien wie Infrarottechnologie oder Fahrzeugsilhouetten-Erkennung zum Einsatz kommen.

Das Projekt läuft bis Dezember 2014. Beteiligt sind neben der STUVA folgende Partner:

Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Projektleitung

ave Verkehrs- und Informationstechnik GmbH

Institut für Straßenwesen (isac) der RWTH Aachen

OSMO-Anlagenbau GmbH und Co. KG

Planung Transport Verkehr AG (PTV AG)

Strehle & Partner Ingenieure GbR

Institut für Medientechnik der Technischen Universität Ilmenau

 

STUVA analysiert aktuellen Entwicklungsstand barrierefreier Lösungen im ÖPNV in Deutschland

Mobilität gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Die Verbesserung der Mobilitätschancen aller Menschen, einschließlich mobilitätseingeschränkter Personen, mittels öffentlicher Verkehrsmittel ist in Deutschland als bedeutsames gesellschaftspolitisches Ziel heute durchgängig anerkannt. Die Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Personenverkehr ist ein wichtiger Faktor für eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Insbesondere die barrierefreie Zugänglichkeit des Personennahverkehrs verbessert die alltägliche Mobilität. Die ausreichende Gewährleistung von Barrierefreiheit durch Maßnahmen der Inklusion („Design für Alle“) ist daher ein wichtiges Ziel. Zu beachten sind hierbei soziale, wirtschaftliche, technische und betriebliche Belange.

Die STUVA identifiziert und untersucht im Forschungsvorhaben FE 70.872/2011 „Barrierefreier ÖPNV in Deutschland: Mobilitätseingeschränkte Personen im ÖPNV – Analyse des derzeitigen Entwicklungsstands barrierefreier Lösungen“ Lösungen für eine barrierefreie Zugänglichkeit bei den deutschen Verkehrsunternehmen. Das Vorhaben wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und dem VDV-Förderkreis (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen). Eine erste Studie wurde Anfang 2003 abgeschlossen und die Ergebnisse in der Blauen Buchreihe des VDV veröffentlicht.

In den letzten 10 Jahren gab es teils erhebliche Verbesserungen der Zugänglichkeit durch neue technische und organisatorische Lösungen. Dies geschah nicht zuletzt durch die Wirkungen der geänderten Gesetzes- und Rechtslage zur Barrierefreiheit, z.B. des Behindertengleichstellungsgesetzes und der damit verbunden Änderungen weiterer Gesetze. Daher soll eine aktualisierte Studie den aktuellen Stand der Technik darstellen. Mit dem Vorhaben soll ein umfassendes Sammelwerk vorbildlicher Lösungen erstellt werden. Dieses soll allen für den ÖPNV politisch, administrativ oder technisch Verantwortlichen durch eine Vielzahl in Bild und Text dargestellter guter Lösungen zur Verfügung stehen. Sachkenntnis und Problembewusstsein sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit sollen verbessert und so auch die Durchsetzbarkeit konkreter Programme und Maßnahmen erleichtert werden.

Das Ergebnis dieser systematischen Untersuchungen soll auch zu einer umfassenden Verbreitung der Erkenntnisse im nationalen und internationalen Raum führen. Die Ergebnisse der Studie sollen daher wiederum in Buchform in der Blauen Reihe in deutscher und englischer Sprache durch den VDV herausgegeben werden. Die Veröffentlichung ist zur InnoTrans 2012 geplant.

Forschungsbericht zum STUVA-Vorhaben „Maßnahmen zur Bewältigung von Notfallsituationen behinderter Menschen in öffentlichen Gebäuden“ veröffentlicht

Die STUVA hat das Forschungsvorhaben „Organisatorische und bauliche Maßnahmen zur Bewältigung von Notfallsituationen körperlich und sensorisch behinderter Personen in Hochhäusern und öffentlichen Gebäuden mit hoher Benutzerfrequenz“ abgeschlossen. Die Forschungsergebnisse wurden soeben im Fraunhofer IRB-Verlag veröffentlicht. Weitere Informationen finden sich auch unter http://www.baufachinformation.de/artikel.jsp?v=237055.

Ziel des Forschungsvorhabens war es, eine verstärkte Berücksichtigung der Anforderungen behinderter Menschen bei der Bewältigung von Notfallsituationen zu erreichen, um einen weiteren Baustein zu einer ganzheitlichen Barrierefreiheit umzusetzen. Dabei sind neben den Anforderungen der übrigen Nutzer wirtschaftliche und gestalterische Anforderungen (z.B. beim Denkmalschutz) zu beachten.

Das Forschungsvorhaben wurde mit Mitteln der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Regionalforschung vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert. Das Projekt verknüpfte 2 Themenfelder, die bereits seit mehreren Jahrzehnten bedeutsame Forschungsfelder der STUVA darstellen:

Berücksichtigung der Belange behinderter Personen in den Bereichen Planung, Bau und Nutzung von baulichen Anlagen und

Konzepte zur Bewältigung von Notfällen durch bauliche und betriebliche Maßnahmen (insbesondere Brandschutz)

Mit dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz) hat sich der Bund verpflichtet, seine Bauten barrierefrei zu gestalten. Die bisherige Umsetzung ganzheitlicher Grundsätze zum barrierefreien Planen und Bauen bei Bundesbauten verfolgt jedoch bisher lediglich das Ziel, eine barrierefreie Nutzung der Bauten bei der alltäglichen Nutzung zu ermöglichen. Eine barrierefreie Nutzung in Notfällen wurde bisher nicht thematisiert.

Sind Bewohner oder andere Nutzer eines Gebäudes in ihren sensorischen, kognitiven oder motorischen Fähigkeiten eingeschränkt, können bei einem Notfall vielfältige Probleme entstehen. Bereits die Wahrnehmung oder die Auslösung eines Alarms kann bei bestimmten Personengruppen ohne besondere Systeme nicht erfolgen. Bei bestimmten Schadensereignissen stehen Systeme, die im Normalfall der barrierefreien Zugänglichkeit dienen, evtl. nicht zur Verfügung (z.B. Aufzüge im Brandfall) und erfordern somit alternative Rettungswege oder -maßnahmen. Fehlen diese, kann sich die Suche nach einem geeigneten Fluchtweg oder Schutzraum lebensbedrohend darstellen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden sowohl bauliche als auch organisatorische Maßnahmen auf ihre Eignung untersucht. Bei den baulichen Maßnahmen ging es z.B. um die Kennzeichnung von Flucht- und Rettungswegen unter Beachtung des Zwei-Sinne-Prinzips, um die Auffindbarkeit und Nutzbarkeit von Notrufanlagen sowie um innovative technische Lösungen, wie z.B. Sicherheitsaufzüge, die sich auch im Brandfall zur Rettung einsetzen lassen. Grundsätzlich sollten zunächst Möglichkeiten für eine Selbstrettung angestrebt werden. Sollte eine Selbstrettung aus technischen, wirtschaftlichen oder individuellen Gründen nicht in Frage kommen, müssen Konzepte zur Fremdrettung greifen oder ggf. organisatorische Maßnahmen das Fehlen baulicher Maßnahmen kompensieren.

Dr.-Ing. Karl Morgen 60 Jahre

Im März 2012 feierte Dr.-Ing. Karl Morgen (Bild 3) seinen 60. Geburtstag. Dr. Morgen ist geschäftsführender Gesellschafter des Büros WTM ENGINEERS in Hamburg und seit 2003 im Vorstand der STUVA tätig; seit 2005 als 1. stellvertretender Vorsitzender.

Das STUVA-Team sendet herzliche Glückwünsche zu diesem Ehrentag. Wir freuen uns, in einer Zeit, die von geschäftlichen Erfolgen des Büros WTM geprägt ist, zu diesem besonderen Fest gratulieren zu dürfen und wünschen auf dem bislang eingeschlagenen Erfolgskurs weiterhin „volle Fahrt voraus“. Wir sind froh, Dr. Morgen zum STUVA-Kreis zählen zu dürfen und sagen bei dieser Gelegenheit ganz herzlich Danke für das Engagement für die Belange der STUVA.


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