Deutschland

Ausbaustrecke Hanau–Nantenbach mit vier neuen Tunneln

Die Eisenbahnstrecke zwischen Hanau und Nantenbach gehört zur 112 km langen Main-Spessart-Bahn zwischen Hanau und Würzburg. Sie wird täglich von über 200 Zügen befahren und führt durch den im Jahre 1854 erbauten Schwarzkopftunnel (926 m Länge). Dieser wäre dringend sanierungsbedürftig, denn er weist ein zu enges Lichtraumprofil auf und ist wegen seiner steilen Spessartrampe mit stellenweise mehr als 20 ‰ Neigung für schwere Güterzüge nur mit Nachschieben geeignet. Die Durchfahrgeschwindigkeit ist auf 70 km/h begrenzt. Anstelle dieser Sanierung wurde im Rahmen der im Bundesverkehrswegplan (BVWP) enthaltenen rund 8 km langen, zweigleisigen Ausbaustrecke (ABS) Hanau–Nantenbach eine Neutrassierung zwischen Laufach und Heigenbrücken als Umfahrungsspange Schwarzkopftunnel beschlossen.

Hier sind aufgrund des bergigen Geländes und des Baugrunds zahlreiche, zum Teil anspruchsvolle Kunstbauwerke erforderlich; so entstehen zurzeit im Tal parallel zur heutigen Strecke und der Bundesstraße 26 vier neue Tunnel:

Der 745 m lange Tunnel Hain wird bis Ende 2015 in offener Bauweise errichtet und besteht aus einem rechteckigen Rahmen mit zwei Zellen je Röhre.

Der 629 m lange Tunnel Metzberg wird auch bis Ende 2015 aufgefahren, jedoch größtenteils in bergmännischer Bauweise mit zwei Röhren.

Gleichzeitig wird der Tunnel Hirschberg mit zwei Röhren vorgetrieben: die 375 m lange südliche in bergmännischer und die 525 m umfassende nördliche Röhre wegen der geringen Überdeckung in offener Bauweise.

Der danach folgende, 2623 m lange Tunnel Falkenberg südlich des Schwarzkopftunnels führt durch die Spessartberge bei bis zu 150 m Überdeckung. Er erhält zwei eingleisige Röhren mit fünf Querschlägen im Abstand von bis zu 500 m. Der Durchschlag des Tunnels Falkenberg wurde am 4. Dezember 2015 gefeiert.

Nach der Gebirgssicherung mit Spritzbeton und Einbau der Abdichtung werden die bergmännisch aufgefahrenen Tunnel mit einer Stahlbeton-Innenschale ausgekleidet. Die künftigen Tunnelröhren haben einen Querschnitt von je rund 48 m². Zum Vermeiden von Druckproblemen bei der Begegnung von Zügen sind die Tunnel mit eingleisigen Röhren geplant. Die in offener Bauweise erstellten zweigleisigen Tunnel erhalten eine Trennwand zwischen den Gleisen.

Nach Beginn der Auffahrung Mitte 2013 und des Tunnelinnenausbaus ab 2015 soll der Streckenausbau bis Ende 2017 zu einer leistungsfähigeren und schnelleren Verbindung (150 km/h) führen. Außerdem werden durch die überwiegende Tunnellage die Schallemissionen entlang der Strecke deutlich verringert – ein Vorteil für die Anwohner. Nach Inbetriebnahme der Umfahrungsspange wird die gesamte Bestandsstrecke zwischen Laufenbach und Heigenbrücken stillgelegt und der Schwarzkopftunnel verfüllt.

G. B.

Literatur/References

[1] Schindler, F.-D.; Städing, A.: Ingenieurbauwerke auf der Ausbaustrecke Hanau–Nantenbach. Der Eisenbahningenieur 8/2015, S.16–19.

[2] DB ProjektBau GmbH: Ausbaustrecke Hanau–Nantenbach, Umfahrungsspange Schwarzkopftunnel. http:bauprojekte.deutschebahn.com/p/ hanau-nantenbach

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