Schweiz

Tunnel de Court durchschlagen

Der Tunnel de Court ist der letzte Tunnel des schweizerischen Infrastrukturprojekts “A16 Transjurane”, das den Bau der 85 km langen Autobahn A16 zwischen Biel und Boncourt an der Grenze zu Frankreich im Nordwesten der Schweiz umfasst. Die zukünftige Verkehrsachse A16 durchquert die Kantone Bern und Jura und wird nach ihrer Fertigstellung das französische Autobahnnetz mit dem schweizerischen Nationalstraßennetz verbinden. Die Autobahn wird in den Tunneln auf eine Fahrbahn mit zwei Richtungsspuren verengt. Die Fertigstellung der Transjurane ist für Ende 2016 geplant; bis heute sind 84 % der Strecke in Betrieb. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 6,54 Milliarden Schweizer Franken. Die Ausführung des Tunnels obliegt der Association Tunnel de Court unter technischer und kaufmännischer Leitung der Marti Tunnelbau AG; die Baukosten für den Tunnel werden auf 70 Millionen Schweizer Franken beziffert.

Durch den Bau des 705 m langen, einröhrigen Tunnel de Court wird die Ortschaft Court weiträumig entlang eines Hangrückens im Bogen und mit bis zu 3 % Längsgefälle umfahren. Der Durchschlag des Tunnels fand im Januar 2015 statt. Wegen der Baugrundverhältnisse aus sehr heterogenen Boden- und Felsschichten (Süßwassermolasse) mit zahlreichen Verwerfungen und Störzonen besteht der Tunnel aus

zwei Tagbauabschnitten (Portalbaugruben) unter Beachtung der Instabilität des Hanges, von Wasserdrücken aufgrund der Wasserempfindlichkeit des Gesteins und Ankerausfällen

einem 650 m langen bergmännischen Abschnitt, der im Schutz eines Rohrschirms vorgetrieben wurde; zusätzlich zu Niederbrüchen an der Ortsbrust musste auf das Versagen der Kalottenfußwiderlager achtgegeben werden.

Der einröhrige Tunnel für zwei Fahrspuren hat einen nahezu kreisrunden Querschnitt, um dem Quelldruck des Gebirges entgegenzuwirken; die Querschnittsfläche beträgt rund 120 m². Der Tunnel hat eine Ortbetoninnenschale mit einer Dicke von 30 cm, die, bis auf die Portalbereiche und Zonen mit geologisch ungünstigen Gebirgsverhältnissen, unbewehrt ist; darüber wurde eine Regenschirmabdichtung eingebaut. Das durch die Drainagematten gefasste Bergwasser wird über beidseitig angeordnete Leitungen zum Ostportal hin abgeleitet. Unter der Fahrbahn liegt der Werkleitungskanal, der auch als Fluchttunnel dient; dazu befindet sich in der Tunnelmitte ein Treppenhaus. Im Fluchtweg herrscht ein Überdruck, um das Eindringen von Gasen im Ereignisfall zu verhindern.⇥G. B.

Literatur/References

[1] Bertholet, Simon: Lange Ortsbrustanker im Lockergestein. Erfahrungen aus dem Tunnel de Court. Swiss Tunnel Congress (12.06.2014), S. 286–295; tunnel 5/2014, S. 50–54

[2]  Wachter, Stefan; Ferrari, Alessandro: Der letzte Tunnel auf der Schweizer Autobahnmagistrale A16 Transjurane. 22. Geomechanik-Kolloquium (12.03.205), S. 118–127

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