World Tunnel Congress und ITA Jahrestagung in Dubrovnik, Kroatien

Mehr als 1500 Tunnelbauer aus 71 Ländern trafen sich vom 22. bis 27. Mai 2015 in Dubrovnik, Kroatien. Anlass war die 41. Jahrestagung der ITA – International Tunnelling and Underground Space Association – in Verbindung mit dem World Tunnel Congress 2015.

Der vom kroatischen Tunnelbaukomitee (ITA Croatia) in Zusammenarbeit mit der ITA organisierte Tunnelkongress trug das Tagungsmotto „Förderung des Tunnelbaus in Süd-Ost-Europa“. Von den nunmehr 73 ITA-Mitgliedsländern waren 57 in Dubrovnik vertreten. Mit 78 % lag der Anteil der vertretenen Länder damit geringfügig über der Quote von rund 73 % im letzten Jahr in Brasilien (siehe Infokasten auf Seite 43).

1 World Tunnel Congress 2015

Das Haupttagungsprogramm des Kongresses umfasste 13 thematische Schwerpunkte:

1 Planung und Entwurf von Tunneln und unterirdischen

Bauwerken

2. Brandschutz in Tunneln und unterirdischen Bauwerken

3. Maschineller Tunnelbau

4. Betrieb und Wartung von Tunneln und unterirdischen Bauwerken

5. Fallstudien zu neuen Entwicklungen bei der Nutzung unterirdischer Räume

6. Kostenoptimierung und Finanzierung von unterirdischen Bauwerken

7. Unterwassertunnel

8. Intelligente Systeme: Mechatronik und Robotik im Tunnelbau

9.  Konventioneller Tunnelbau

10. Stadtplanung unter Nutzung des unterirdisches Raumes

11. Süd-Ost-Europa: Städtischer Tunnelbau in Lockerböden und im Karst

12 Risikoanalysen und Techniken für unterirdisches Bauen

13. Technische Ausstattung von Tunneln und unterirdischen Bauwerken

Darüber hinaus gab es noch weitere separate Vortrags­blöcke:

einen Workshop zur betrieblichen Sicherheit von Tunnel während der Sanierung, organisiert vom Committee on Operational Safety of Underground Facilities (ITA-COSUF)

eine Vortrags- und Diskussionsrunde zur Stadtplanung für den unterirdischen Raum, organisiert vom Committee on Underground Space (ITACUS)

Vorträge zum Sprengvortrieb und zu zwei zum WTC veröffentlichten Berichten (zur Bemessung von faserbewehrten Tübbings und zur Wiederverwendung von gebrauchten Komponenten beim maschinellen Tunnelvortrieb; siehe auch weiter unten), organisiert vom Committee on Technologies and Development (ITA-TECH)

eine Mitgliederversammlung der ITA Young Members Group (ITAYM)

Die Vorträge des Hauptprogramms wurden in 50 technischen Sitzungen präsentiert; in 40 Sitzungen hatten die Vorträge jeweils eine „normale“ Länge von 15 Minuten, die restlichen 10 Sitzungen waren als sogenannte PowerPoint-Poster-Präsentationen (PPPP) organisiert, in denen die Beiträge durch eine kurze Vorstellung den wenigen interessierten Anwesenden erläutert wurden. Auch wenn diese Art der Präsentation, die erstmals beim WTC 2013 in Genf durchgeführt wurde, gegenüber den in der Vergangenheit üblichen „Posterpräsentationen“ eine gewisse Verbesserung darstellt, wurde der Nutzen gerade in Dubrovnik von vielen Vortragenden und Zuhörern infrage gestellt.

Organisatorische Probleme

Die Vortragsveranstaltung hat in diesem Jahr stark darunter gelitten, dass extrem viele Vorträge parallel stattgefunden haben –
zeitweise, z. B. am Dienstagnachmittag, wurden bis zu sieben Sitzungen parallel durchgeführt. Sehr nachteilig wirkte sich darüber hinaus aus, dass verschiedene Vortragende und auch Sitzungsleiter nicht zum Vortrag bzw. zur Sitzung erschienen. Dies lag wohl weniger an den vorgenannten Personen selbst, sondern vielmehr an der mangelhaften Organisation: Viele Vortragende waren offensichtlich nicht informiert worden, dass ihr Vortrag zur Präsentation angenommen wurde. Gleichermaßen waren im Vorhinein auch nicht mit allen Sitzungsleitern Absprachen erfolgt, ob sie zeitlich überhaupt in der Lage sind, eine Sitzung zu leiten. Viele mussten dies erst aus dem Programmheft entnehmen, das aber erst vor Ort in gedruckter Form verteilt wurde und nicht im Vorfeld zum Download bereitstand.

Darüber hinaus haben sich zahlreiche Teilnehmer über eine schlechte Organisation beklagt: Die Ausschilderung war beispielsweise so sparsam, dass viele Besucher die Vortragsräume, die über verschiedene Hotels verstreut lagen, nicht oder erst nach langem Suchen gefunden haben. Ähnlich verhielt es sich mit der begleitenden Fachausstellung. Diese fand, da es keine geeigneten Räumlichkeiten gab, in Zelten statt, die wiederum aufgrund des Platzmangels an zwei verschiedenen Orten aufgestellt waren. Das zweite, etwas weiter abgelegene Zelt ist von verschiedenen Besuchern nach deren Aussage gar nicht gefunden worden. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die Aussteller dort nur sehr wenige Besucher verzeichnen konnten.

ITA-Trainingskurs

Am 22. und 23. Mai 2015 fand, wie in den Vorjahren, im Vorlauf zum Kongress ein spezieller ITA-Trainingskurs statt, der dieses Mal vom kroatischen Tunnelbaukomitee, dem Committee on Education and Training (ITACET) und der ITACET-Stiftung gemeinsam organisiert worden war. Der an junge Berufstätige gerichtete Kurs trug den in Kroatien häufigen Aufgabenstellungen Rechnung und hatte das Thema „Städtischer Tunnelbau in Lockerböden und im Karst“. Insgesamt 142 Teilnehmer – davon viele Studenten von Universitäten aus Kroatien, die freien Zutritt zu Veranstaltung bekommen hatten – nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen über das diesbezügliche unterirdische Bauen zu vertiefen.

Die rund 15 Vorträge von international anerkannten Fachleuten aus dem akademischen und unternehmerischen Umfeld erläuterten, welche verschiedenen Tunnelbaumethoden dem Stand der Technik nach  in den angesprochenen Bereichen zur Anwendung kommen. Unter anderem standen dabei folgende Themen im Vordergrund: Grundlagen, Baugrunderkundung, Monitoring, konventionelle und maschinelle Vortriebe. Viele Themen wurden durch entsprechende Fallbeispiele veranschaulicht. Auf eine Anregung aus der letztjährigen Vollversammlung hin gab es abschließend einen speziellen Vortrag zur Arbeitssicherheit.

Eröffnung

In der Eröffnungsveranstaltung am Montag wurden zunächst Grußworte von Dr. Davorin Kolic (Präsident ITA Croatia), Søren Degn Eskesen (ITA-Präsident), Nikola Dobroslavic (als Vertreter für die Präsidentin von Kroatien), Andro Vlahusic (Bürgermeister von Dubrovnik) und John Reed (Vertreter der australischen Botschaft in Kroatien) gesprochen. Eingerahmt wurden die Grußworte und Vorträge durch einen für Dubrovnik typischen folkloristischen Tanz namens Linđo.

Muir-Wood Lecture

Anlässlich des diesjährigen WTC wurde der mittlerweile sechste Vortrag im Gedenken an Sir Alan Muir-Wood gehalten. In dieser „Muir-Wood Lecture“ trug Pietro Lunardi (Italien), ehemaliger Professor und früherer Minister für In​frastruktur und Verkehr in Italien, über Ortsbrustverformung und -stabilisierung vor. Über die Präsentation, die als hochrangige Grundsatzvorlesung gedacht ist, zeigten sich viele Zuhörer sehr enttäuscht: Lunardi hielt sie weder in Englisch oder Französisch, den beiden offiziellen Sprachen der ITA, sondern in Italienisch. Dabei las er seinen Vortrag in einer solchen Geschwindigkeit vom Blatt ab, dass die Simultandolmetscher nicht mit ihrer Übersetzung nachkamen und ganze Textpassagen überspringen mussten. Selbst Muttersprachler waren von dem Vortrag wenig begeistert. Entsprechend war der steigende Geräuschpegel im Saal während dieses Vortrags deutlich vernehmbar.

Die Schriftfassung der Muir-Wood Lecture kann von der Webseite der ITA heruntergeladen werden. In diesem Zusammenhang ist weiterhin zu berichten, dass Dr. Peter Kaiser (Kanada) vom ITA-Vorstand ausgewählt wurde, die nächste Muir-Wood Lecture auf dem WTC 2016 in San Francisco zu halten.

Vorträge zur Eröffnung

Prof. Theodosis Tassios (Griechenland) hielt zur Kongresseröffnung einen kulturhistorischen Vortrag zum Tunnel- und Kanalbau im antiken Griechenland. Seiner kurzweiligen, von einem animierten Film unterstützten Schilderung zufolge war bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. zur Versorgung der griechischen Stadt Samos (heute: Pythagorio) erfolgreich der rund 1000 m lange Eupalinos-Tunnel im Gegenvortrieb gebaut worden. Darüber hinaus legte Prof. Tassios dar, wie bereits zu jener Zeit Tunnel nach dem BOT-Prinzip (Build Operate Transfer – Bauen Betreiben Übergeben) gebaut und finanziert wurden.

Aufgrund der großen Bedeutung des Eupalinos-Tunnel hat die ITA dieses außergewöhnliche Projekt als bahnbrechenden internationalen Meilenstein des Tunnelbaus geehrt. Der ITA-Präsident überreichte die Auszeichnung an Ioannis Fikiris vom griechischen Tunnelbauverband.

ITA-Altpräsident In-Mo Lee wurde die Ehrenmitgliedschaft als Präsident der ITA-Kroatien verliehen. In seinem darauffolgenden Vortrag, der sogenannten „Red-Tie“ Lecture, mit dem Titel „Der Traum des Maulwurfs“, ließ Lee die Zuhörer an seiner Zukunftsvision für mehr U-Bahnlinien, bessere Techniken zur Bewältigung des Grundwassers und das anhaltende Bestreben der Tunnelbauer, Städte widerstandsfähiger, nachhaltiger und besser zu machen, teilhaben.  „In Korea haben wir den Traum, die koreanische Halbinsel mit dem Festland von China und Japan zu verbinden“, sagte er.

Den ersten eigentlichen Eröffnungsvortrag hielt Drazen Antolovic vom kroatischen Ministerium für Seefahrt, Verkehr und Infrastruktur zum Thema „Entwicklung der Straßen- und Schieneninfrastruktur in Kroatien unter Nutzung von unterirdischen Anlagen“ in seiner Landessprache. Im zweiten Vortrag dieses Blocks berichtete Davorin Kolic über Tunnel in Süd-Ost-Europa.

ITACET-Award: Posthume Verleihung an Dr. Koichi Ono

Piergiorgio Grasso (Italien), Vize-Präsident der ITACET-Stiftung, vergab im Rahmen des WTC-Auftaktes  den ITACET-Award 2015 posthum an Dr. Koichi Ono. Grasso überreichte den Preis an Onos Ehefrau Masako. Eine zweite Auszeichnung überreichte Felix Amberg, Schatzmeister und Vorstandsmitglied der ITACET-Stiftung, an die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne (EPFL, Schweiz), deren Institut für Felsmechanik das Sekretariat der ITACET-Stiftung seit 2007 beherbergt. Stellvertretend für die Hochschule nahm Claude Berenguier, Generalsekretär der ITACET-Stiftung, den Preis entgegen.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung überreichte Yann Leblais (AFTES, Frankreich) im Rahmen eines kleinen Empfangs eine AFTES-Empfehlung zur Dimensionierung von Tübbings im maschinellen Tunnelvortrieb an Predag Miscevic (ITA Croatia). Die Empfehlung ist von der AFTES auf eigene Kosten ins Kroatische übersetzt worden und soll die kroatischen Kollegen beim Entwurf von Tunnelbauwerken unterstützen.

Öffentliche Fachsitzung

Zu Beginn der öffentlichen Fachsitzung der ITA am Dienstag stellten die Arbeitsgruppen und Komitees ihre Ergebnisse einem größeren Publikum vor. Dabei wurden die im vergangenen Jahr veröffentlichten acht neuen ITA-Berichte präsentiert:

Übersicht über bestehende Vorschriften und anerkannte Empfehlungen zu Betrieb und Sicherheit von Straßentunneln (ITA-COSUF; Originaltitel: „Survey of existing Regulations and recognized Recommendations on Operation and Safety of Road Tunnels“)

Leitfaden zur Messhäufigkeit beim innerstädtischen Tunnelbau (ITAtech; Originaltitel: „Monitoring Frequencies in Urban Tunnelling“)

Leitfaden für Systeme zur Fernüberwachung (ITAtech; Originaltitel: „Remote Measurements Monitoring Systems“)

Leitfaden zur Bemessung von faserbewehrten Tübbings (ITAtech; Originaltitel: „Design Guidance for precast fibre-reinforced Concrete Segments“)

Leitlinien für die Wiederverwendung und Aufarbeitung von gebrauchten Komponenten beim maschinellen Tunnelvortrieb (ITAtech; Originaltitel: „Guidelines on Rebuilds of Machinery for Mechanized Tunnel Excavation“)

Empfehlung für Baugrunduntersuchungen zur Vorbereitung von Untertagearbeiten (Arbeitsgruppe 2; Originaltitel: „Strategy for Site Investigation of Tunnelling Projects“)

Leitfaden für Arbeiten unter Druckluft (Arbeitsgruppe 5; Originaltitel: „Guidelines for Good Working Practice in high-pressure compressed Air“)

Leitfaden für Eigentümer von Unterwassertunneln (Arbeitsgruppe 11; Originaltitel: „An Owners‘ Guide to Immersed Tunnels“)

2014 hatte die ITA in der öffentlichen Fachsitzung in Iguassu (Brasilien) bekannt gegeben, sich über einen Zeitraum von drei Jahren mit dem Thema „Unterirdischer Raum und Bodenschätze“ beschäftigen zu wollen. Nachdem in Brasilien das Thema Bergbau behandelt wurde, rückte in diesem Jahr die regenerative Energieerzeugung aus Wasserkraft in den Fokus. Dabei standen der Dialog zwischen weltweit anerkannten Fachleuten sowie der Austausch von Wissen und Erfahrungen im Vordergrund. Der zur Einleitung gezeigte Film „Underground Space Use in Hydro Power Projects“ ist online unter youtu.be/47cycz9Pyg abrufbar.

Sieben Experten diskutierten unter Leitung von Ruth Haug  über die Themen Nachhaltigkeit, Machbarkeit sowie Finanzierung und Versicherung: Jon Ulrik Håheim (Statkraft, Norwegen), Dorij Phuntshok (Drukgreen, Bhutan), Hartmut Reiner (MunichRe, Deutschland), Gérard Seingre (Nant de Drance, Schweiz), Zvonimir Sever (HEP, Kroatien), Harald Wagner (Thailand) und Jenny Yan (CREC, China). Im Ergebnis waren sich die Experten einig: Der Tunnelbau hat mit seinen fortschrittlichen Technologien einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Machbarkeit von Wasserkraftanlagen und ermöglicht in vielen Fällen erst die nachhaltige Lösung der Bauaufgabe. Wasserkraftanlagen bieten in vielen Teilen der Welt die Möglichkeit, die Energieversorgung zuverlässig, wirtschaftlich und langfristig sicherzustellen. Gleichzeitig können sie auch dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung, dem Transport von Gütern oder der Bewässerung dienen. Sie stellen damit die Grundlage für eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes und sogar ganzer Erdteile dar.

2 Mitgliederversammlung

Mitgliederentwicklung

Die Leitung der Mitgliederversammlung oblag Präsident Søren Degn Eskesen (Dänemark). Zu Beginn informierte Eskesen die Delegierten über die Mitgliederentwicklung. Die Zahl der Mitgliedsländer hat sich gegenüber dem Vorjahr um zwei auf nunmehr 73 erhöht; neu aufgenommen wurden Guatemala und Katar. Obwohl 16 korporative und 5 persönliche Mitglieder neu hinzugekommen sind, ist die Gesamtanzahl aufgrund von Kündigungen und Ausschlüssen leicht zurückgegangen. Die ITA verfügt unter Berücksichtigung aller Zu- und Austritte aktuell über 73 Mitgliedsnationen, 191 korporative und 91 persönliche Mitglieder (in Summe also 282 assoziierte Mitglieder gegenüber 286 im Vorjahr). Drei Firmen haben ihre Unterstützung als „Prime-Sponsor“ neu zugesagt, eine ihre Unterstützung zurückgezogen. Ergänzend konnten weitere zwölf neue Förderer gewonnen werden; fünf haben ihre Förderzusage nicht erneuert. Insgesamt wird die ITA damit von 17 Prime-Sponsoren und 57 Förderern unterstützt.

Aufgaben und Ziele der ITA – Stand der Dinge

Im Rahmen der letztjährigen Vollversammlung wurden durch den ITA-Vorstand die Aufgaben und Ziele der ITA für die kommenden Jahre und auch das Leitmotiv des Verbandes festgelegt:  „ITA ist die führende internationale Organisation zur Förderung der Nutzung von Tunneln und des unterirdischen Raums, durch Austausch von Wissen und Anwendung von Technologie“. Die anzustrebenden sieben strategischen Ziele lauten:

1. Zusammenführen und Ansprechen der Mitgliedsländer – besonders derer, die neu beigetreten sind

2. Verbesserung der Kommunikation und Schaffung

besserer Arbeitsbedingungen für Arbeitsgruppen und

Komitees

3. Ausweitung der Beziehungen zur Industrie

4. Förderung des Wissensaustauschs durch Ausbildung und Training

5. Gründung und Weiterentwicklung einer Gruppe für junge Mitglieder („ITA Young Members Group“)

6. Förderung der Nutzung des unterirdischen Raums

7. Verbesserung der Kommunikation mit den Mitgliedsländern, der Industrie und der Öffentlichkeit

In der Versammlung berichtete Eskesen darüber, wie und in welchem Umfang die Ziele innerhalb des letzten Jahres erreicht worden sind. Darüber hinaus hatte der Vorstand eine Umfrage unter den Akteuren und Mitgliedern der ITA durch ein externes Institut durchführen lassen, um die allgemeine Zufriedenheit zu ermitteln und Anregungen zur Verbesserung zu erhalten. Rund 30 % der fast 400 angeschriebenen Personen und Institutionen haben geantwortet. Aus den Antworten ergibt sich, dass das Image der ITA durchweg sehr gut ist, auch wenn einige Dinge als zu bürokratisch bemängelt wurden. Ungefähr 60 % der Antwortenden bescheinigten der ITA einen großen Einfluss auf Entscheidungen hinsichtlich der Realisierung von Tunnelprojekten, und die große Mehrheit befürwortet das oben wiedergegebene Leitmotiv und die strategischen Ziele. Der größte Nutzen wird im Zugewinn an technischem Wissen und an beruflichen Netzwerken gesehen. Im Ergebnis werden folgende Empfehlungen für die Zukunft gegeben: Erweiterung des Wissensaustauschs durch Trainingskurse, Implementierung klarerer Standards für die Durchführung von Welt-Tunnelkongressen sowie Unterstützung der Arbeitsgruppen und Komitees.

ITA-Studie zum weltweiten Tunnelbaumarkt

Erstmals wurde von der ITA eine Studie zur Entwicklung des weltweiten Tunnelbaumarkts in Auftrag gegeben, die zukünftig alle drei Jahre aktualisiert werden soll und deren Ergebnisse bereits vor der Mitgliederversammlung an die Primesponsoren verteilt wurden. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Der Markt für unterirdisches Bauen hatte in 2013 weltweit gesehen ein Volumen von 90 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zu 2012 bzw. 2011 ergab sich damit ein Zuwachs von 3,5 % bzw. 7,5 %. Im Mittel wurden pro Jahr weltweit zwischen 4500 und 4700 km gebaut. Im Zeitraum von 2000 bis 2013 hat sich die Gesamtlänge der jährlich fertiggestellten Tunnel in Europa von 250 auf 500 km/a verdoppelt, in Asien jedoch von 250 auf 3750 km/a verfünfzehnfacht. In anderen Erdteilen sind die Veränderungen dagegen eher moderat: in Nordamerika von 65 auf 75 km/a, in Südamerika von 25 auf 20 km/a und im Rest der Welt von 20 auf 50 km/a. Im Bezug auf die Tunnellänge repräsentierte Asien daher in 2013 rund 86 % des Tunnelbaumarktes, Europa steht mit 11 % an zweiter Stelle und der Rest macht nur 4 % aus. Gemessen in US-Dollar ergibt sich zwar eine leicht andere Verteilung (78 %, 17 % und 5 %), die generelle Tendenz bleibt aber gleich. Auch wenn China in 2013 der größte Markt war (weltweit gesehen wurden 75 % aller Tunnel in China gebaut), bleibt Europa nach Aussage der ITA dennoch weiterhin ein großer und interessanter Markt für die Tunnelbauindustrie.

ITA-Award

Nachdem die ITA über einige Jahre die Verleihung der Tunnelbaupreise „NCE Tunneling Awards“ (New Civil Engineers) unterstützt hat, hat der Vorstand beschlossen, nun unabhängig den „ITA Tunnelling Award“ ins Leben zu rufen und 2015 erstmals zu verleihen. Mit dem Preis sollen herausragende Leistungen und Entwicklung en aus dem Bereich des unterirdischen Bauens ausgezeichnet werden. Der Preis soll jährlich in neun Kategorien vergeben werden:

Tunnelbau-Projekte bis zu 50 Millionen Euro

Tunnelbau-Projekte von 50 bis 500 Millionen Euro

Tunnelbau-Großprojekte über 500 Millionen Euro

Sanierungs- bzw. Modernisierungsprojekte

Technische Innovationen

Umweltinitiativen

Sicherheitsinitiativen

Innovative Nutzung des unterirdischen Raums

Junge Tunnelbauer

Vorschläge können bis zum 14. August 2015 online über awards.ita-aites.org eingereicht werden. Die Preisverleihung erfolgt am 19. November 2015 im Versuchsstollen Hagerbach (Schweiz) während des Festabends einer eintägigen Vortragsveranstaltung. Es ist geplant, die Verleihung des Preises zukünftig an weltweit wechselnden Orten stattfinden zu lassen.

ITA Young Members Group

Gemäß dem Beschluss in der letzten Mitgliederversammlung wurde die „ITA Young Members Group“ für Nachwuchskräfte im Tunnelbau gegründet. Sie will eine Netzwerksplattform für junge Berufstätige und Studenten (bis 35 Jahre) sein und die (vermeintliche) Kluft zwischen den Generationen überbrücken. Sie will den Erfahrungsaustausch in der Branche über alle Ebenen fördern und ein stärkeres Bewusstsein für die jüngere Generation schaffen. Sie soll jungen Fachkräften und Studenten in der ITA und in ihren Arbeitsgruppen eine Stimme geben sowie die Ziele und Ideale der ITA in die nächste Generation tragen. Die Young Members Group will regelmäßig Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer organisieren. Im Rahmen des WTC, an dem junge Mitarbeiter zu vergünstigten Konditionen teilnehmen konnten, hat die Young Members Group eine Mitgliederversammlung und einen Netzwerkabend veranstaltet. Zum WTC wurde auch die erste Ausgabe eines speziellen Magazins namens „Breakthrough“ von dieser Gruppe veröffentlicht. Der Vorsitzende der Gruppe ist Jurij Karlovsek (Australien) und sein Stellvertreter ist Petr Salak (Großbritannien).

Kommunikation

Die ITA hat zur Verbesserung ihrer Kommunikation nach außen und innen eine Presseagentur beauftragt. Daneben versendet sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter „ita@news“. Auf das wissenschaftliche Organ der ITA, die Zeitschrift „Tunnelling and Underground Space Technology (TUST)“, haben die ITA-Mitglieder in elektronischer Form Zugriff.

Daneben steht die ITA-Website als Informationsquelle zur Verfügung. Die Startseite wendet sich an Entscheidungsträger und an die allgemeine Öffentlichkeit und erläutert beispielsweise, wie unterirdische Räume genutzt werden können und welche Bauverfahren es gibt. Sie nennt spezifische Vorteile und gibt Information zu Planung, Bau und Betrieb. Der zweite Teil, die „Corporate Website“, gibt Information zur Organisation der ITA, den Mitgliedsländern, den korporativen Mitgliedern, zu den Publikationen, den Komitees und Arbeitsgruppen sowie zu Veranstaltungen zum unterirdischen Bauen.

Bei der Mitgiederversammlung wurde auch über die von der ITA unterhaltenen Kontakte zu verschiedenen internationalen Schwesterorganisationen und UN-Organisationen berichtet (siehe Infokasten auf Seite 53). Zwei davon haben in der Mitgliederversammlung über die Zusammenarbeit berichtet: PIARC und ACUUS.

Der Bericht über die Tätigkeiten der verschiedenen ITA-Arbeitsgruppen hat ,wie auch in den Vorjahren, einen wesentlichen Raum in der Versammlung eingenommen. Einzelheiten hierzu finden Sie in der tunnel-Ausgabe 6/2015.

WTC 2016–2018

Für die Jahrestagung 2018 legte die Mitgliederversammlung schließlich den Tagungsort fest. Beworben hatten sich Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) und Neu Delhi (Indien). Dubai erhielt die geforderte absolute Mehrheit (29) der Stimmen (53). Die Daten und Austragungsorte der nächsten Jahres­tagungen lauten:

22. bis 28. April 2016, 42. ITA-Jahrestagung in San Francisco (USA); das Rahmenthema lautet: „Vereinigung der Industrie“

9. bis 16. Juni 2017, 43. ITA-Jahrestagung in Bergen (Norwegen); das Rahmenthema lautet: „Oberirdische Probleme – Unterirdische Lösungen“

20. bis 26. April 2018, 44. ITA-Jahrestagung in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), das Rahmenthema lautet: „Intelligente Städte: Nutzung des unterirdischen Raums zur Verbesserung der Lebensqualität“

3 ITA-Vorstand

In der diesjährigen Vollversammlung sind keine neuen Mitglieder in den Vorstand gewählt worden. Nach Abschluss des Kongresses 2015 ist Davorin Kolić (Kroatien) nicht mehr Mitglied im Vorstand. Für den WTC 2016 in den USA sind Vizepräsidentin Amanda Elioff und für den WTC 2017 in Norwegen Ruth Haug die jeweiligen Ansprechpartner. Für den World Tunnel Congress 2018 in Dubai wird dem ITA-Vorstand bis zur Veranstaltung Maged Farouck Hanna (VAE) zur Seite gestellt.

Damit setzt sich der ITA-Vorstand wie folgt zusammen:

Søren Degn Eskesen, Dänemark, Präsident bis 2016

In-Mo Lee, Korea, Altpräsident bis 2016

Rick P. Lovat, Kanada, Erster Vizepräsident bis 2016

Tarcísio B. Celestino, Brasilien, Vizepräsident bis 2016

Amanda Elioff, USA, Vizepräsidentin bis 2016

Daniele Peila, Italien, Vizepräsident bis 2016

Alexandre Gomes, Chile (bis 2016)

Ruth G. Haug, Norwegen (bis 2016)

Nikolaos Kazilis, Griechenland (bis 2016)

Eric Leca, Frankreich (bis 2016)

Jinxiu Yan, China (bis 2016)

Anna Lewandowska, Polen (bis 2017)

Felix Amberg, Schweiz, Schatzmeister (bis 2016)

Maged Farouck Hanna, Vereinigte Arabische Emirate (bis 2018)

Sorin Calinescu, Rumänien, wurde durch die Mitgliederversammlung für ein weiteres Jahr als interner Rechnungsprüfer bestätigt. Daneben unterstützt seit 1. Januar 2009 Olivier Vion als hauptamtlicher Geschäftsführer der ITA den Vorstand.

Innerhalb des Vorstandes sind folgende Zuständigkeiten definiert:

Allgemeine Angelegenheiten: Amanda Elioff und Eric Leca

Entwicklung der Arbeitsgruppen: Tarcísio B. Celestino und Alexandre Gomes

Entwicklung der Komitees: Daniele Peila und Nikolaos Kazilis

Industriekontakte und Sponsoren: Rick P. Lovat, Ruth G. Haug und Jinxiu Yan

Entwicklung und Vertiefung der Beziehung zu allen Mitgliedsländern: Søren Degn Eskesen; im Einzelnen:

Mittlerer Osten: Søren Degn Eskesen und Eric Leca

Lateinamerika: Tarcísio B. Celestino und Alexandre Gomes

China: Jinxiu Yan

Russland und GUS-Staaten: Mikhail Belenkiy (externer Experte)

Süd-Ost-Asien: Zaw Zaw Aye (externer Experte)

Vertreter der Prime-Sponsoren, Industriekontakte und Sponsoren: Timo Laitinen als externer Experte (2015 bis 2018; bisher Tom Melbye)

Verbindung zur Weltbank: Harald Wagner als externer Experte

4 Ausblick

In tunnel 6/2015 folgt ein Bericht über die Arbeitsgruppen und Komitees, die maßgeblich zur positiven Außendarstellung der ITA beitragen, weil gerade hier die Zusammenarbeit von Personen aus verschiedenen Ländern realisiert und so der wichtige Erfahrungsaustausch ermöglicht wird. Dort erfahren Sie mehr über den Stand der Arbeiten und die für die kommenden Monate geplanten Aktivitäten der Arbeitsgruppen und der vier Komittees.

Auskünfte über den Kongress und die ITA-Jahrestagung 2015 sowie über Beschlüsse der Mitgliederversammlung und Aktivitäten der Arbeitsgruppen sind auf www.ita-aites.org, in den ita@news (kostenlos zu abonnieren über www.ita-aites.org) sowie im Tagungsband und dem USB-Speichermedium zum WTC zu finden.

Weitere Auskünfte über die ITA und die Jahrestagungen erteilen:

Geschäftsstelle des Deutschen Ausschusses für unterirdisches Bauen e. V. – DAUB

Mathias-Brüggen-Str. 41, D-50827 Köln

www.daub-ita.de

Sekretariat der ITA – International Tunnelling and Underground Space Association

(c/o EPFL), GC D 1 402 (Bât. GC), Station 18, CH-1015 Lausanne

www.ita-aites.org

sowie die Sekretariate der nationalen Tunnelbaugesellschaften in den verschiedenen ITA-Mitgliedsländern.

ITA-Mitgliedsländer nicht vertreten auf der Vollversammlung:

ITA-Member Nations not present at the General Assembly:

Algeria

Bolivia

Cambodia

Costa-Rica

Ecuador

Kazakhstan

Lao PDR

Macedonia (FYROM)

Malaysia

Morocco

Myanmar

Panama

Peru

Saudi Arabia

Venezuela

Vietnam

 (* neue Mitglieder ab 2015)

 (* new member nations from 2015)

Kontakte der ITA zu Schwesterorganisationen und UN-Organisationen

ITA contacts with sister organizations and UN organizations

ACUUS           Associated Research Centers for the Urban Underground Space

FIDIC              International Federation of Consulting Engineers

IAEG               International Association for Engineering Geology and the Environment

ICLEI               International Council for Local Environmental Initiatives

IFME               International Federation of Municipal Engineering

IRF                  International Road Federation

ISOCARP       International Society of City and Regional Planners

ISRM              International Society of Rock Mechanics

ISSMGE         International Society for Soil Mechanics and Geotechnical Engineering

ITIG                 International Tunnelling Insurance Group

PIARC            World Road Association

UN-Habitat      United Nations Human Settlements Programme

UN-ISDR        United Nations International Strategy for Disaster Reduction

Weltbank/World Bank

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