Polen

Wasserhaltung beim Tunnelbau an der polnischen Schnellstraße S 3

Die Porr S.A., Warschau, hat nach eineinhalbjähriger Planungszeit Mitte 2021 mit der Errichtung des S-3-Straßenabschnitts Bolków–Kamienna Góra in Angriff genommen. Die polnische Schnellstraße verbindet den Hafen von Swinemünde mit der Tschechischen Republik und Österreich. Die Bauarbeiten an dem 16 Kilometer langen Streckenabschnitt sollen bis 2023 abgeschlossen sein. Dieser Abschnitt beinhaltet auch einen zweiröhrigen Straßentunnel mit einer Länge von 2300 m. Mit diesem Tunnel wird ein nördlicher Ausläufer der Karpaten von rund 100 m Höhe unterquert. Dafür setzt Porr in Polen zum Vortrieb erstmalig die Neue Österreichische Tunnelbaumethode (NÖT) ein.

Beim Südvortrieb des polnischen S3-Schnellstraßentunnels kommen zur Wasserhaltung Pumpen des deutschen Herstellers Söndgerath zum Einsatz
Credit/Quelle: Thomas Exel

Beim Südvortrieb des polnischen S3-Schnellstraßentunnels kommen zur Wasserhaltung Pumpen des deutschen Herstellers Söndgerath zum Einsatz
Credit/Quelle: Thomas Exel

Tauchmotorpumpen halten den Südvortrieb trocken

Die Bauarbeiten bestätigten die Ergebnisse der Probebohrungen: Den südlichen Abschnitt bildet ein uraltes Flusstal mit einem Konglomerat aus abgeschliffenen Steinen und eingelagerten Tonschichten. Im nördlichen Bereich findet sich vor allem Schiefer, der sehr schwierig zu handhaben ist.

Die Wasserhaltung gestaltet sich ebenfalls unterschiedlich: Sie ist auf 30 Liter pro Sekunde ausgelegt. Da der nördliche Abschnitt ein Gefälle aufweist, kann das Wasser ohne Pumpenunterstützung ablaufen. Der südliche Abschnitt hingegen steigt an, so dass hier abgepumpt werden muss. Dazu bedient sich Porr eines langjährigen Partners, der Söndgerath Pumpen GmbH mit Sitz in Essen, Deutschland. Die enge Zusammenarbeit besteht schon seit mehr als zehn Jahren. Von ihren Tauchmotorpumpen des Typs SPT 222 sind derzeit 20 Einheiten im Einsatz.

Die SPT-222-Schmutzwasserpumpen wurden für härteste Bedingungen entwickelt, wie sie für den Einsatz im Berg- und Tunnelbau typisch sind. Weitere sechs Hochdruckpumpen des Typs SPT 4110 ergänzen den Pumpenpark. Bei derartigen Projekten müssen die Aggregate für die Wasserhaltung absolut ausfallsicher sein. Das bieten die eingesetzten Pumpen zuverlässig, denn sie arbeiten völlig ohne Elektronik und sind für den Dauerbetrieb ausgelegt. Sicherheitshalber sind aber an beiden Portalen so genannte Havarie-Kits bereitgestellt, um im Notfall ein Überfluten des Tunnelabschnitts zu verhindern.

Die Wasserhaltung erfolgt mittels Absetzbecken, die alle 300 m installiert sind und jeweils 54 m³ Fassungsvermögen haben. Dieses Vorgehen ermöglicht es, das Wasser zu beruhigen und die Inhaltsstoffe abzusetzen, bevor es in das nächste Absetzbecken weitergepumpt wird. Außerhalb der Portale wird das Wasser in einem weiteren Absetzbecken chemisch behandelt, um den vorgeschriebenen pH-Wert vor dem Einleiten in die Vorfluter einhalten zu können. Dieses Kaskadensystem von Absetzbecken hat sich bewährt, da es den Reinigungsaufwand in der Wasserhaltung ganz erheblich verringert.

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