Erfolgreicher 2. Kölner Tunnelbautag
Am 4. März 2026 fand der 2. Kölner Tunnelbautag an der Technischen Hochschule Köln statt. Rund 160 Teilnehmer besuchten die deutschsprachige Veranstaltung mit 11 Fachvorträgen, die Einblicke in verschiedene Bereiche des umfassenden Themas Tunnelbau gaben. Die Vortragsblöcke waren in die Themen Regional, Nachhaltigkeit, Planung und Ausführung unterteilt.
Am 4. März 2026 fand der 2. Kölner Tunnelbautag an der Technischen Hochschule Köln mit rund 160 Teilnehmern statt
Credit/Quelle: Klostermeier
„Wir haben uns sehr gefreut, dass wir für die Tagung auch spannende Vorträge aus dem Ausland zum Einsteinteleskop in Belgien und den Niederlanden und zum Belchentunnel in der Schweiz gewinnen konnten. Zudem sind wir sehr glücklich, dass wir neben der Stadt Köln auch die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen und den DAUB – Deutscher Ausschuss für unterirdisches Bauen e. V. als ideelle Partner für die Veranstaltung gewinnen konnten“, sagte der Organisator Prof. Dr. Christoph Budach vom Lehr- und Forschungsgebiet der TH Köln.
Session Regional
Im Eröffnungsvortrag referierten Corina Atkins und Kerstin Bernards von der Stadt Köln über die Errichtung von stationären Verschlusseinrichtungen an acht bestehenden Tunnelportalen zum Schutz der Kölner U-Bahn vor Hoch- und Grundwasser.
Nach zwei Hochwässern im Jahr 1993 und 1995 wurde für die Stadt Köln ein Hochwasserschutzkonzept mit Schutzmaßnahmen vor Überflutung entlang des Rheinverlaufs entwickelt. Die Stadt Köln hat sich als Eigentümerin des Kölner U-Bahn-Netzes für den Schutz der Anlagen gegen Hochwasser entschieden und ein Gutachten zur Bewertung möglicher Einflüsse des Grundhochwassers für die Kölner U-Bahn beauftragt. Ziel des Projekts sind unter anderem:
Verhinderung des Volllaufens des U-Bahn-Netzes
Sicherung der Rampen vor Auftrieb
Schutz der (elektrischen) Betriebseinrichtung vor Schäden
Fahrbetrieb bei Hochwasser möglichst lange aufrecht erhalten
An acht bestehenden Tunnelportalen müssen dafür Schottsysteme installiert werden, die das Volllaufen des unterirdischen Schienennetzes verhindern. Der Baubeschluss für vier Tore liegt mit Gesamtkosten von 26 Millionen. Euro vor; der Bau des ersten Tores soll im Jahr 2026 erfolgen. Ein zweites Vergabepaket ist geplant für 2027
Weitere Vorträge dieser Session befassten sich mit der „Rheinspange 553 – Stand der Planung des ca. 3,0 km langen Autobahntunnels“ sowie mit aktuellen Erfahrungen aus der Ausführungsphase des neuen Rheindüker in Köln (Referenten Uwe Widerek, Christian Heinze und Janine Hofmann von der StEB Köln. Für den neuen Rheindüker investieren die StEB Köln 110 Mio. Euro für ein sichereres und verlässliches Abwassersystem in mit langfristigen Entsorgungskapazitäten. Der alte Rheindüker von 1928 ist dringend erneuerungsbedürftig und verfügt nur über begrenzte Kapazitäten. Der neue Rheindüker wird über zwei Rohre mit Durchmessern von 2 und 3,2 m verfügen und kann zukünftig 6000 Liter Abwasser pro Sekunde transportieren. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.
Session Nachhaltigkeit
Elf Fachvorträge aus den Bereichen Planung, Ausführung und Forschung gaben Einblicke in verschiedene Bereiche des Themas Tunnelbau
Credit/Quelle: Klostermeier
Die zweite Session behandelte die Themen „CO2-Reduktion und Ressourceneffizienz im Tunnelbau“ mit umweltfreundlichen Betonrezepturen sowie die Verwertung von Tunnelausbruchmaterial bei Projekten der Deutschen Bahn sowie bei Projekten der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH). Hier wurde der aktuelle Kreislaufansatz im Stoffstrommanagement bei der Deutschen Bahn erläutert, bei dem anfallende Ausbruch-Materialien auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr als Abfall behandelt sondern als Ressourcen verwendet werden.
Dr. Stefan Franz und Thorsten Kallnischkies von der DEGES definierten die Vermeidung von Abfall als oberstes Ziel zur Erreichung einer nachhaltigen Projektlösung wobei der größte Hebel in den frühen Planungsphasen zu finden sei. Somit habe auch der Bauherr eine immer größere Verantwortung, die Nachhaltigkeit eines Bauprojekts zu optimieren.
Session Planung
Laurence Delplace, CEO von Amberg Engineering hielt unter dem Titel „Grenzenloser Tunnelbau“ einen Vortrag über die Planung des Einstein-Teleskops. Geplant ist ein Gravitationswellen-Observatorium mit dem Ziel der Erforschung des Universums über Verzerrungen der Raumzeit. Die unterirdische Lage dieser Forschungseinrichtung ist von zentraler Bedeutung, da sich auf diese Weise Störeinflüsse eliminieren lassen. Die unterirdische Bauweise biete Schutz vor natürlichem seismischen Lärm (Verkehr, industrielle Vibrationen) und atmosphärischen Schwankungen. Ziel ist das Erreichen einer bislang unerreichten Messsensitivität. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie werden hierzu unter anderem wichtige geologische und hydrogeologische Faktoren zur Standortermittlung geprüft und verschiedene geeignete Verfahren zum Tunnel-, Kavernen- und Schachtbau hinsichtlich Risiken und Kosten geprüft.
Weitere Vorträge in dieser Session befassten sich mit der Instandsetzung des Tunnels Belchen in der Schweiz und vortriebsklassenabhängigen Setzungsprognosen bei maschinellen Vortrieben im Lockergestein.
Session Ausführung
In der finale Vortragssession des Tunnelbautages wurde ein Überblick über den aktuellen Stand der Arbeiten bei der Erneuerung des Elleringhauser Tunnel. Diese Bahntunnelrenovierung in Fertigteilbauweise ist ein Pilotprojekt. Die zweischalige, sohloffene Fertigteilkonstruktion wird in Anlehnung an die Tübbingbauweise erstellt und bietet eine Alternative zu der Erstellung der Tunnelinnenschale in Ortbeton (Regelbauweise). Die Fertigteilbauweise bei der Erneuerung eines sohloffenen Tunnels bei der DB kommt bei Elleringhauser Tunnel erstmalig zum Einsatz.
Save the Date
Der 3. Kölner Tunnelbautag ist bereits fest eingeplant und wird im März 2028 stattfinden.
